Grit Eggerichs muss beruflich ab und zu fliegen. Das tut sie aber mit schlechtem Gewissen. Wegen der Umwelt. Jetzt hat sie die Alternative für sich getestet und sagt nach einer 13-stündigen Zugfahrt nach Zagreb: Zugfahren ist geil.

Klar, Fliegen ist schneller, gemütlicher und manchmal günstiger. Oft geht es auch gar nicht anders. Aber mit unserem Anspruch auf ein nachhaltiges Leben lässt sich das Fliegen mit dem Flugzeug nicht wirklich vereinbaren. Der ökologische Fußabdruck ist riesig. Punkt.

Schlechtes Gewissen bei Flugreisen

Grit Eggerichs weiß das alles. Auch bei ihr ist es so, dass sie beruflich manchmal nicht drum rum kommt, in den Flieger zu steigen. Aber das schlechte Gewissen fliegt mit. Hier bei Deutschlandfunk Nova haben wir mal ausgerechnet, dass ein Flug nach Teneriffa so klimaschädlich ist, wie ein Jahr Autofahren.

Also hat Grit für ihre Reise nach Zagreb ein Zugticket gekauft. Genau genommen sogar zwei. Hin und zurück - jeweils 13 Stunden. Vorweg: "Nach 13 Stunden Zugfahrt sind die Glieder ein bisschen steif", sagt sie. "Aber das ging schnell vorbei - und in Erinnerung blieben eher die schönen Erlebnisse."

Die Landschaften sind einfach schön

Grit schmunzelt, als sie erzählt, dass sie allein die Idee schon abgefahren fand, 13 Stunden mit dem Zug zu fahren. Aber die Zeit zu haben, wirklich lange die Landschaften zu betrachten und bewusst wahrzunehmen, wie diese sich verändern, je weiter man kommt, sei "einfach schön". Sie habe vorher extra auf Google Maps geschaut, wo die Strecke lang führt. Und als dann die Alpen kamen, hat sie die Landschaft besonders genossen.

"Besonders die verschneiten Hänge und Täler. Und die Sessel der Lifte, die über dich hinwegschweben. Einfach schön."
Grit Eggerichs, Deutschlandfunk Nova, über ihre Erfahrungen beim Zugfahren
Landschaft in den Alpen während der 13-stündigen Zugfahrt von Berlin nach Zagreb.
© Deutschlandfunk Nova | Grit Eggerichs
Landschaft in den Alpen während der 13-stündigen Zugfahrt von Berlin nach Zagreb.

Bevor das hier in Kitsch abdriftet: Zwischendurch kam auch mal eine Mutter mit drei Kindern (drei, fünf und sieben Jahre alt) in ihr Abteil. Das war laut - und auch ein bisschen nervig, sagt Grit. Aber 13 Stunden sind lang und die Familie blieb nicht ewig im Zug. Stattdessen kam irgendwann Maria dazu. Maria und Grit kamen schnell ins Gespräch und Maria offenbarte ihr, dass sie grundsätzlich mit dem Zug verreist.

"Ich würde nie auf die Idee kommen, ein Flugzeug zu nehmen. Ich fahre immer Zug. Die längste Zugfahrt war mal 35 Stunden nach Istanbul."
Grit Eggerichs' Mitreisende Maria über das Zugfahren

Zugreiseprofis wie Maria wissen das: Weite Strecken kann man mit dem Zug genauso günstig zurücklegen, wie mit dem Billigflieger. Man muss nur früh genug buchen. Die Reise von Berlin nach Zagreb zum Beispiel kann man für 60 Euro bekommen. Sowohl mit dem Flugzeug als auch mit der Bahn.

Aus Interesse hat Grit festgehalten, was genau sie während dieser 13-Stunden-Fahrt im Zug so gemacht hat. Im Protokoll steht: Zwei Stunden geschlafen, eine knappe Stunde Bordbistro, fünf Stunden gearbeitet und den Rest: Aus dem Fenster geguckt und gequatscht.

Wer im Zug arbeiten will, sollte besser Erste Klasse buchen

Als Grit auf Höhe Salzburg mitten in ihrer Arbeit am Laptop vertieft war, setzte sich ein Mann neben sie, der sich als redseliger Mitarbeiter der Österreichischen Bahn herausstellte. Er hatte wohl Feierabend und erzählte Grit alles über das Rangieren einer Lok, über Kurswagen, dass der Schnee nicht mehr so zuverlässig liegt, dass Hotels nicht ausgebucht sind und dass die russische Mafia sich überall einkauft. Das waren wahre Abenteuergeschichten. Dafür hat Grit ihre Arbeit rückblickend gerne unterbrochen. Ihr Fazit:

"Ich finde einfach: Wir sollten dem Moralwort "Flugscham" etwas entgegensetzen. So was wie Zug ist geil, oder so."
Grit Eggerichs, Deutschlandfunk Nova

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