Zugvögel kommen im Schnitt eine Woche früher als vor 50 Jahren zurück. Das besagt eine Studie aus Finnland. Was dieses frühe Reisen für die Vögel bedeutet und warum es stattfindet, weiß Deutschlandfunk-Nova-Reporter Timo Nicolas.

Der frühe Vogel fängt den Wurm. Das gilt wohl nicht nur für den Tag, sondern auch für das ganze Jahr: Denn Zugvögel kommen immer früher aus ihrem Winterquartier zurück. Laut einer Studie, die im Fachmagazin Ecological Indicators veröffentlicht wurde, eine ganze Woche früher als noch vor 50 Jahren.

Diese Erkenntnis ist nicht neu, aber die Studie ist trotzdem besonders: Denn die Forscherinnen und Forscher haben mit extrem vielen Daten gearbeitet. Sie haben Aufzeichnungen von 21 Vogelwarten in Europa und Kanada für die Jahre 1959 bis 2015 ausgewertet. Dabei haben sie bei 195 Vogelarten angeklärt, wann sie aus dem Süden zurückgeflogen sind.

Frühe Rückkehr ist Folge des Klimawandels

Das Ergebnis: Wenn in einem Jahr der Frühling früher auf der Nordhalbkugel einsetzte, sind auch die Vögel früher aus ihrem Winterquartier zurückgekehrt. Und die Jahre häufen sich stark, in denen es schon im Februar oder Herbst Frühlingstemperaturen gemessen werden. Daher gehen die Forscherinnen und Forscher, davon aus, dass wir es mit Auswirkungen des Klimawandels zu tun haben.

"Durch die Datenmenge und den langen Zeitraum ist für die Forscher erst mal klar: Es handelt sich hier eine Auswirkung des Klimawandels."
Timo Nicolas, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Grundsätzlich ist es gar nicht schlecht, wenn die Zugvögel früher zurückkommen – es ist sogar gut. Denn es zeigt, dass sie anpassungsfähig sind. Die Studie belegt, dass Vögel, die nur kurze Strecken zurücklegen, heute sehr viel früher zurückfliegen, als noch vor 50 Jahren. Sie reagieren damit auf die Wetterverhältnisse: Wenn es in Deutschland warm wird, spüren sie das in der Luft und machen sich auf den Weg Richtung Norden. So kommen sie genau zum richtigen Zeitpunkt im Brutgebiet an – wenn der Frühling begonnen hat und es genug Nahrung gibt.

Nicht alle Zugvögel sind so schnell anpassungsfähig

Anders ist das bei den sogenannten Langstreckenziehern wie dem Trauerschnäpper: Er überwintert in größerer Entfernung, zum Beispiel in den Tropen oder der Sahara. Die Folge: Der Vogel spürt die Veränderung in der Luft nicht. Trauerschnäpper richten sich stattdessen nach einem genetischen Kalender. Und bis sich der ändert, kann es lange dauern, sagt Lars Lachmann vom Naturschutzbund (Nabu), mit dem Timo gesprochen hat. Der Nabu fürchtet daher, dass sich ein verändertes Klima vor allem negativ auf Vögel auswirkt, die lange Strecken fliegen.

"Wenn der Trauerschnäpper nicht früher zurückkommt, dann verpasst er irgendwann die Hauptzeit der Raupen und hat dann nicht mehr so viel Futter, um seine Jungen zu füttern. Sodass seine Bestände zurückgehen werden."
Lars Lachmann, Vogelexperte beim Naturschutzbund NABU
Trauerschnäpper auf einem Ast
© dpa
Das ist der Trauerschnäpper.

Ein bisschen ist es wie ein Wettrennen zwischen Evolution und Klimawandel: Langstreckenzieher verändern ihren genetischen Kalender, weil die Vögel, die früher ankommen, eine größere Chance haben, sich zu paaren. Sie ziehen also mehr Junge groß, als Vögel, die später ankommen. So haben auch mehr Jungvögel einen genetischen Kalender, der sie etwas früher zur Rückkehr drängt. Aber das verändert sich eben nur sehr langsam. Bleibt die Hoffnung, dass sich dieser Kalender schnell genug neu justiert und mit dem Klimawandel mithalten kann.

"Und über die Jahre kann sich das verschieben – aber das geht eben nur sehr langsam. Ganz anders als bei den Kurzstreckentieren, die dann mit dem warmen Wetter, mit dem lauen Lüftchen im Frühjahr einfach zu uns zurückkommen können."
Lars Lachmann, Vogelexperte beim Naturschutzbund NABU

Mehr zum Thema: