Den Sport nach dem Zyklus zu richten – das ist ein Tipp, den man immer häufiger liest. Auch, wenn er nur bei Profisportlerinnen wirklich relevant ist, rentiert es sich auf jeden Fall für alle, sich damit zu beschäftigen. Auch und vor allem, weil die Studienlage bisher nur sehr dünn ist.

Die Hormonveränderungen im Zyklus können einen Einfluss darauf haben, wie gut wir drauf sind - mental und körperlich. Das liegt daran, dass zu Beginn des Zyklus die Gebärmutterschleimhaut abgestoßen wird und sich der Körper anschließend mit einem Anstieg bestimmter Hormone auf den Eisprung vorbereitet. In dieser Phase ist das Krafttraining offenbar wirklich effektiver, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Verena von Keitz. Eine gute Zeit also, um beispielsweise die Hanteln zu heben, wem das Spaß macht.

Nach dem Eisprung ändern sich die Hormone wieder, was dazu führt, dass beispielsweise Sehnen und Bänder elastischer werden. Hier gibt es sogar Hinweise darauf, dass bei Frauen bestimmte Knieverletzungen zunehmen. Die absolute Leistungsfähigkeit – auch bei Profisportlerinnen – scheint aber nicht durch die Hormonschwankungen beeinträchtigt zu sein.

"Nach dem Eisprung ändern sich die Hormone wieder, was dazu führt, dass zum Beispiel Bänder und Sehnen etwas elastischer werden."
Verena von Keitz, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Ganz genau könne man das aber nie festlegen. Denn auch bei all den Tipps, die man liest und hört, ist immer etwas Vorsicht geboten, sagt Verena von Keitz. Es gibt insgesamt bisher nur sehr wenige Studien zu dem Thema, die meistens auch mit sehr wenigen Probandinnen durchgeführt wurden und sich teilweise sogar inhaltlich widersprechen.

"Es gibt insgesamt nur sehr wenige Studien zu dem Thema mit meist sehr wenigen Probandinnen und die Ergebnisse widersprechen sich auch zum Teil."
Verena von Keitz, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Zyklus ist immer individuell

Die erschwerte Erforschung liegt beispielsweise daran, dass der Zyklus bei allen Menschen unterschiedlich lang ist. Blutungen, Krämpfe oder andere Beschwerden fallen teilweise sehr stark, teilweise aber auch sehr schwach aus.

Das bestätigt auch Julia Eyre, Ex-Nationalspielerin und mittlerweile Neuro- und Sportwissenschaftlerin, sowie Fitness-Coach. Für sie ist der Zyklus eine komplett individuelle Sache, bei der es nur schwer möglich ist, pauschale Ratschläge zu geben.

"Am Ende des Tages ist es zu 100 Prozent individuell. Wir können nicht sagen zu jeder: 'Hey, hör mal auf zu trainieren an den ersten zwei Tagen vom Zyklus oder mach dann Muskelaufbau.'"
Julia Eyre, Neuro- und Sportwissenschaftlerin

Hauptsächlich im Profisport relevant

Da der Einfluss des Zyklus auf die sportliche Leistung hauptsächlich im Profisport relevant ist, wird das Thema dort nun öfter angesprochen. Denn im Profisport geht es ja darum, die beste Leistung aus dem Körper herauszuholen.

Lange war es allerdings so, dass Frauen in Bezug auf ihre Trainingspläne wie kleine Männer behandelt wurden und mögliche Schwankungen bei der körperlichen Verfassung keine Rolle gespielt haben.

"Im Profisport war es lange so, dass Frauen wie kleine Männer behandelt wurden – also auch was Trainingspläne anging."
Verena von Keitz, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Das ändert sich nun aber nach und nach. Die deutsche Triathletin Laura Philipp beispielsweise passt ihre Trainingspläne sehr genau auf die Phasen ihres Zyklus an und trackt diese auch mit entsprechenden Apps. Auch die Mountainbikerin Theresia Schwenk hat sehr gute Erfahrungen damit gemacht, ihre Trainingseinheiten nach ihrem Zyklus zu richten.

In den USA und in Großbritannien gibt es inzwischen ganze Teams, deren Trainingspläne angepasst werden. Dabei werden die Zyklen der einzelnen Sportlerinnen getrackt und so die Trainingspläne individuell erstellt, berichtet Julia Eyre.

Brechen mit einem Tabu-Thema

Viele Sportlerinnen berichten auch, dass es ihnen enorm helfe, überhaupt offen darüber sprechen zu können. So auch die Mountainbikerin Theresia Schwenk, die lange Zeit das Gefühl hatte, man dürfe das Thema in der Öffentlichkeit nicht ansprechen.

Mountainbikern Theresia Schwenk über die Menstruation von Sportlerinnen
"Da die Periode in der Gesellschaft so kontrovers gesehen wird, hat man als Sportlerin das Gefühl, dass man nicht wirklich darüber sprechen kann."

Auf den eigenen Körper hören

Aber auch Hobbysportlerinnen müssen das Thema Zyklus und Sport nicht ganz ausblenden. Es hilft immer zu wissen, dass auch der Zyklus Einfluss auf die sportliche Leistung haben kann. Am besten ist es aber, einfach auf den Körper und das Wohlbefinden zu hören anstatt sich strikt an Trainingspläne zu halten, sagt Julia Eyre.

"Wenn dein Körper sagt, mach heute nichts, dann mach eben weniger, aber es ist nicht so wichtig, dass wir die Trainingspläne sehr strikt anpassen."
Julia Eyre, Neuro- und Sportwissenschaftlerin

Vor allem sollte man keine Scheu vor dem Sport haben, wenn man blutet und unter Krämpfen oder vor der Periode an PMS, dem Prämenstruellen Syndrom, leidet. Denn da kann Bewegung sogar Schmerzen lindern.

Die britische Marathonläuferin Paula Radcliffe hat 2003 sogar einen Weltrekord der Frauen aufgestellt und das, obwohl sie am ersten Tag ihrer Periode war und ordentlich unter Krämpfen litt, wie sie danach berichtete. Erst 2019 wurde dieser Rekord gebrochen.