Vor der Küste Zyperns gibt es Erdgasvorkommen. Unklar ist allerdings, wem die gehören. Deshalb behindert die Türkei erneut Probebohrungen. Diesmal eines italienischen Energiekonzerns.

Völkerrechtlich gehört die komplette Insel zur Republik Zypern. Seit den 70er Jahren beansprucht aber die Türkei den Nordteil der Insel für sich. Und dann gibt es noch zwei britische Exklaven. Jetzt wird auch noch darüber gestritten, wem vor Zypern was gehört. Denn vor der Küste Zyperns sind Erdgasfelder entdeckt worden - der Rohstoff im Meer ist gerade ziemlich begehrt.

Der Streit ums Erdgas hat bereits im Juli 2017 begonnen. Damals wollte der französische Energiekonzern Total Probebohrungen vornehmen. Das Vorhaben ist aber gescheitert, weil türkische Kriegsschiffe und Kampfjets zum gleichen Zeitpunkt "Übungen" durchgeführt haben. Gleichzeitig kreuzten auch israelische und französische Kriegsschiffe vor der Bohrstelle.

Anfang Februar 2018 ist die Situation ähnlich. Diesmal will ein italienischer Energiekonzern Probebohrungen vornehmen. Und wieder droht Erdogan mit militärischen Übungen. Der Grund: Aus seiner Sicht sind die Rechte für die Förderung von Erdgasvorkommen vor Zypern nicht abschließend geklärt.

"Die Ölfelder sind in Blöcke eingeteilt und die werden den Wirtschaftszonen der östlichen Mittelmeerstaaten, nicht aber der Türkei, zugerechnet."
Susanne Götze, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Diese Wirtschaftszonen werden nach dem Seerechtsübereinkommen eingeteilt, einer UN-Konvention, die seit 1994 in Kraft ist. Die Türkei hat - im Gegensatz zu den anderen beteiligten Staaten - dieses Seerechtsübereinkommen aber nicht unterzeichnet. Der Grund: Niemand weiß genau, wie die Gasvorkommen unter Wasser verlaufen. Die Gebiete im Meer sind einfach schwer zu orten.

Warum ausgerechnet Erdgas?

Seit die EU-Kommission Erdgasprojekte ganz oben auf die Prioritätenliste gestellt hat, ist der Rohstoff ein extrem begehrtes Gut. Erdgas gilt der Komission als Brückentechnologie. Das heißt, wenn aus Umweltschutzgründen auf Kohle und Öl verzichtet wird, soll das Erdgas die entstehende Versorgungslücke schließen, bis vollständig auf erneuerbare Energien umgestellt werden kann. Zusätzlich möchte man sich durch alternative Erdgas-Produzenten unabhängiger von Russland machen.

Bei der Verbrennung ist Erdgas auf jeden Fall klimafreundlicher als Öl, Stein- oder Braunkohle. Allerdings geben Umweltschützer zu bedenken, dass bei der Erdgasförderung sowie beim Transport Methan freigesetzt wird. Methan ist ein klimaschädliches Gas und laut Weltklimarat für etwa ein Viertel der menschengemachten Erderwärmung verantwortlich. Wie viel Methan freigesetzt wird, lässt sich aber schwer messen und deshalb ist die Datenlage nicht eindeutig.

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