Eine britische Studie hat gezeigt, dass Zuckerkranke, die es schaffen abzunehmen und ihr Gewicht zu halten, gute Chancen haben, von ihrer Krankheit geheilt zu werden. 

Übergewicht gilt in der Regel nicht als Krankheit, sondern als Risikofaktor. Deshalb gibt es wenig strukturierte Hilfen für Menschen mit Typ-2-Diabetes. Wer diese Diagnose bekommt, erhält nicht automatisch eine Ernährungsberatung. 

Eine Umfrage unter zuckerkranken Patienten hat ergeben: Von hundert Patienten haben nur 15 eine Ernährungsberatung bekommen. Die bestand in der Regel aus einem Informationsabend - zu wenig, um die Krankheit erfolgreich zu bekämpfen. 

Kein flächendeckendes Angebot

Die Versorgung bei anderen Krankheiten ist oft besser als bei der Zuckerkrankheit. Wer beispielsweise einen Herzinfarkt hatte, wird in der Regel in eine Rehaklinik geschickt. Dort lernt der Patient dann, wie er seinen Lebensstil ändern kann, damit er gesünder und besser lebt. 

Auch die Standards bei den Krankenkassen variieren sehr stark: Manche Kassen übernehmen gar keine Kosten andere 100 Prozent der Kosten, die bei einer Diabetes-Behandlung anfallen. 

Finanziell ist es für Ärzte lohnender, wenn sie zum Rezeptblock greifen und Medikamente verschreiben, denn sie erhalten ihre Vergütung für einen Patienten pro Quartal. Zudem ist es aufwendig einem Patienten zu helfen, seinen Lebensstil zu ändern. 

"Das Feld ist sehr unübersichtlich. Es gibt keine flächendeckenden Angebote. Oft nur Modellprojekte, die finanziell oft auf unsicheren Beinen stehen."
Martin Winkelheide, Wissenschaftsjournalist

Eine britische Studie mit 300 Diabetespatienten hat gezeigt, dass es sich durchaus lohnen könnte, Erkrankten dabei zu helfen, abzunehmen. Zumindest wäre das für unser Gesundheitssystem viel günstiger, weil bei erfolgreicher Abnahme, die Krankheit geheilt werden konnte oder der Patient mit viel geringeren Dosen der Medikamente auskommen würde. 

Mediziner sprechen von einem Durchbruch

Bei der Studie wurden Probanden zwischen 20 und 65 Jahren untersucht. Eine Gruppe von ihnen musste drei bis fünf Monate lang eine strikte Diät einhalten, bei der sie nur spezielle Suppen oder Shakes trinken durften, insgesamt nur 835 Kalorien am Tag. Danach bekamen sie Ernährungspläne für feste Nahrung und sollten versuchen, ihr Gewicht zu halten. 

Diabetes kann bei Gewichtszunahme wiederkommen

Die andere Gruppe wurde konventionell behandelt - also mit klassischen Medikamenten. Ein Jahr schauten die Forscher sich an, wie es ihren Patienten ergangen war. Bei der untersuchten Gruppe waren 46 Prozent der Patienten geheilt, in einer Vergleichsgruppe, die konventionell behandelt worden war, waren es nur 4 Prozent. Allerdings warnten die Mediziner davor, dass die Krankheit wiederkommen kann, sobald man zunimmt. 

Gewichtsabnahme billiger und erfolgreicher

Die Forscher meinen, dass ihre Abnehmmethode auf lange Sicht erfolgreicher, einfacher und dazu noch billiger ist, als die klassische Behandlung von Diabetes Typ-2. Allein in Großbritannien, wo die Studie gemacht wurde, werden Schätzungen zufolge pro Jahr 15 Milliarden Euro für Medikamente gegen Diabetes und deren Folgeschäden ausgegeben.

"Beim Abnehmen kommt es also darauf an, sich von alten, lieb gewordenen Ernährungsgewohnheiten zu verabschieden. Also keine Softdrinks mehr, weniger Fleisch, Wurst und Käse, weniger Brot, Reis und Nudeln, mehr Obst und Gemüse, mehr Salat, mehr Fisch.
Martin Winkelheide, Wissenschaftsjournalist

Wie wir am besten abnehmen können, liegt auf der Hand: Mehr Bewegung, weniger Kohlenhydrate und keine gesüßten Getränke. Trotzdem fällt es vielen von uns schwer, diese Disziplin aufzubringen. Oft sind es auch Gewohnheiten, die wir nur schwer ändern wollen oder können. Hinzukommt, dass auch die Lebensmittelindustrie es uns nicht unbedingt leichter macht, zu den richtigen Lebensmitteln zu greifen. In Deutschland gibt es beispielsweise keine Zuckersteuer auf gesüßte Getränke wie in anderen Ländern. 

Keine einheitlichen Standards für öffentliche Küchen

Auch die Lebensmittelkennzeichnung ist unübersichtlich und macht es uns schwer, uns zu orientieren. Vielen Fertigprodukten, Süßigkeiten oder Knabbersachen können wir nicht sofort ansehen, was sie an versteckten Dickmachern, Fetten oder Zuckern enthalten. Auch in Kitas, Schulen und Mensen fehlen einheitliche Standards für gesundes Essen. 

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