Sie ist die neue Spitzenfrau der AfD: Alice Weidel. Und zwar gilt sie als liberal, aber: Wenn es um den Islam oder Kritik an der Türkei geht, hört man von ihr sehr scharfe Töne.

Alice Weidel ist das neue Gesicht der AfD. Auf dem Bundesparteitag wurde die Unternehmensberaterin und promovierte Volkswirtin zur Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl gekürt - neben dem nationalkonservativen Vize-Chef der AfD, Alexander Gauland. 

Dabei ist Alice Weidel aber keineswegs diejenige, die liberalere politische Ansichten vertritt - schon gar nicht allein deshalb, weil sie mit einer Frau zusammen lebt. Öffentlich schimpft sie wie andere in ihrer Partei über "Genderwahn" und Feminismus. Ihre Homosexualität mache Alice Weidel nicht automatisch zu einer liberaleren Person, sagt Hauptstadt-Korrespondent Stefan Maas.

"Wenn es um wirtschaftliche Fragen geht, nimmt sie sicherlich liberale Positionen ein. Aber man sollte sich nicht täuschen lassen - vor allem nicht dadurch, dass sie mit einer Frau und Kindern zusammen lebt."
Stefan Maas, Korrespondent im Hauptstadtstudio

Widersprüchliche Haltungen

Für die AfD besteht die Familie aus Vater, Mutter, Kind. Punkt. Alles andere – also homosexuelle Paare mit Kindern – sind für die AfD keine Familie. Trotzdem hat die Partei Weidel zur Spitzenkandidatin gemacht. Das gehöre zu den "inneren Widersprüchen" der AfD, sagt Stefan Maas. Man unterscheide zwischen dem Individuum und einer Gruppe, will heißen: Frau Weidel als Person kann von ihrer Partei akzeptiert werden, Homosexualität als Lebensentwurf lehnt die Partei trotzdem ab.

"Besonders wenn es um das Thema Islam geht oder um Kritik an der Türkei, dann hört man von Alice Weidel sehr oft sehr scharfe Töne."
Stefan Maas, Korrespondent im Hauptstadtstudio

Drastischer als Gauland?

Es könne gut sein, meint Journalist Stefan Maas, dass Alice Weidel bei den Themen Islam oder Türkeikritik noch drastischer formuliert als Alexander Gauland.

"Die politische Korrektheit gehört auf den Müllhaufen der Geschichte."
Alice Weidel auf dem Bundesparteitag der AfD in Köln.

Auf dem Bundesparteitag war zu spüren, dass Weidel ihre Rolle im Rampenlicht erst noch finden muss, sagt Stefan Maas. "Auf der Bühne waren ihre Töne sehr schrill und die Thesen sehr steil" - auf einer Pressekonferenz hinterher habe sie deutlich gelöster gewirkt.

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