DNA-Schnelltests funktionieren sehr einfach: Ihr schickt eine Speichelprobe an einen der vielen Anbieter, und nach kurzer Zeit erfahrt ihr, wo eure Vorfahren herkommen. In den USA ist so ein Ahnencheck ziemlich populär. Für rund 100 Euro kann solche Tests auch problemlos bei uns bestellen. Wir sagen euch, was sie bringen.

Schon länger gibt es Bedenken, wie verlässlich die Erbgut-Analyse bei Online-DNA-Datenbanken ist, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter Michael Gessat. Aktuell weckt ein kleines Experiment von eineiigen Zwillingen für den kanadischen Rundfunk CBC heftige Zweifel an den Ergebnissen von Ahnencheck-Anbietern.

Eineiige Zwillinge ließen ihre DNA bei fünf Anbietern testen

Für die CBC haben die Schwestern Carly und Charlsie Agro Ahnencheck-Schnelltest-Kits bei fünf der populärsten Dienste bestellt. Das sind laut des Senders CBS: AncestryDNA, MyHeritage, 23andMe, FamilyTreeDNA and Living DNA. Dann haben die beiden jeweils eine Speichelprobe eingeschickt und die Auswertung bekommen. So etwas funktioniert auch von Deutschland aus: MyHeritage zum Beispiel hat eine deutsche Website. 

Eigentlich hätten die Ergebnisse halbwegs übereinstimmen müssen. Im Test haben die fünf Anbieter aber sehr unterschiedliche Diagnosen geliefert: Laut My Heritage stammen die Vorfahren der Zwillingsschwestern zum Beispiel zu 61 Prozent vom Balkan, dann zu 20 Prozent aus Griechenland und 14 Prozent aus Nord- und Westeuropa. 23andme hingegen sieht die Hauptabstammung in Italien, dann Osteuropa und dahinter erst den Balkan. 

Auch Ergebnisse der Zwillingsschwestern bei einem Unternehmen weichen ab

Dass verschiedene Anbieter verschiedene Ergebnisse liefern, wurde vorher schon kritisiert. Aber dass auch die Ergebnisse von jeweils einem Anbieter bei den Zwillingen so gar nicht identisch waren, das ist laut unserem Netzreporter neu – denn die DNA bei eineiigen Zwillingen ist praktisch identisch.

"Das Ganze ist einfach Pi mal Daumen, denn es werden schließlich nur Statistiken ausgewertet."
Michael Gessat, Deutschlandfunk Nova

Am frappierendsten war die Abweichung wohl bei 23andme – da hat Carly in der Auswertung hinter Italien, Osteuropa und Balkan dann noch 13 Prozent "weiteres Europa" stehen. Ihre Schwester Charlsie hat aber angeblich nur 3 Prozent weiteres Europa, dafür angeblich 2,6 Prozent französische und deutsche Vorfahren – im Gegensatz zu ihrer Schwester.

Grundlage der Unternehmen ist gleich – aber statistische Aufbereitung nicht

Solche Abweichungen zeigen, dass die Auswertungen nur auf Statistik beruhen: Die Ergebnisse sind Vergleiche mit den Datenbanken des jeweiligen Anbieters. Die kanadischen Journalisten von CBC, die über den Test berichten, haben auch einen Experten von der Yale-Universität nach den denkbaren Gründen befragt, und auch der sagt: Eigentlich müssten die Ergebnisse identisch sein.

Bei der Analyse der DNA hatten die Anbieter ein fast identisches Roh-Daten-Ergebnis heraus bekommen. Aber dann bei der statistischen Aufbereitung haben die geringen Abweichungen deutlichen unterschiedlichen Endergebnissen geführt. So haben das dann auch die Sprecher der Anbieter erklärt.

"Im Statement eines Anbieters hieß es, man solle das Ganze als eine Mischung aus Wissenschaft und Kunst auffassen."
Michael Gessat, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Fazit unseres Netzreporters: Das ist mehr Entertainment als ein richtiger DNA-Test. Problematisch wird es aber, wenn zum Beispiel Erbkrankheiten mit Schnelltests abgecheckt werden sollen. Da solltet ihr auf jeden Fall einen richtigen Test machen lassen.

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