In Durban startet die Welt-Aids-Konferenz. Wie es ist, im Jahr 2016 mit Aids in Deutschland zu leben, weiß Ralph Ehrlich von der Aidshilfe Berlin. Er selbst ist HIV-positiv. Medizinisch bekommt man die Krankheit gut in den Griff, sagt er, nur in der Gesellschaft herrscht zu viel Unwissenheit - und die schürt unnötige Ängste.

Ralph Ehrlich macht viel Sport und läuft sogar Marathons. Medizinisch, sagt er, hat er keine Probleme. Die Therapie schlägt ohne Nebenwirkungen an. Haben Betroffene von Beginn an Zugang zu den Medikamenten, dann lässt sich mit Aids gut leben: "Man wird so alt, wie jeder andere auch", sagt Ehrlich.

Offenheit zahlt sich oft nicht aus

Dennoch hat der Hobbysportler zwiespältige Gefühle mit seiner Erkrankung. Eingeschränkt fühlt er sich vor allem aufgrund der Diskriminierung, der er im Alltag oft begegnet. So auch beim Marathon in Berlin, bei dem er mit einer Aids-Schleife gelaufen ist:

"Geht das überhaupt? Ihr sterbt doch eigentlich alle bald"
Ralph Ehrlich, HIV-positiv

In Deutschland steigen die Neuansteckungsraten zwar nicht, aber sie bleiben stabil hoch. Auch im Jahr 2016 haben sich regelmäßig HIV-Tests immer noch nicht durchgesetzt, sagt Ehrlich. Das Problem sei aber auch, dass HIV immer noch mit einer Diskriminierung und Stigmatisierung verbunden ist. Auch scheuen Menschen den Test, obwohl er so wichtig ist.

"Wenn ich den Test mache, dann hast du vielleicht irgendwelche merkwürdigen Sexpraktiken oder dein Umgang ist nicht der richtige.“
Ralph Ehrlich, HIV-positiv

Vor allem die Aufklärung bei Nicht-Betroffenen lässt zu wünschen übrig. Arbeitgeber, die sich nach Bewerbungsgesprächen plötzlich nicht mehr melden, wenn HIV-positive mit passender Qualifikation offen von ihrer Krankheit erzählen, frustrierten und entmutigten, sagt Ehrlich: "In Sportvereinen habe ich es auch erlebt, dass man mich zur Seite nimmt: Wir wissen, dass du offen bist, aber was ist, wenn jemand hinfällt, kann ich mich anstecken?“

"Da gibt es immer noch Ängste, die völlig unbegründet sind. So leicht kann man sich mit HIV nicht anstecken.“
Ralph Ehrlich, HIV-positiv

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