"Jurassic Park" hat uns verhunzt, was den Sound der Dinos angeht. So filmreif gebrüllt, wie in der von Steven Spielberg 1993 begonnenen Reihe, hat zum Beispiel der T-Rex wohl kaum. Forschende gehen davon aus, dass vor mehr als 200 Millionen Jahren wohl eher das Zirpen von Laubheuschrecken die Geräuschkulisse auf unserem Planeten bestimmt hat.

Die ersten Lebewesen, die in Form von Geräuschen über die Luft miteinander kommuniziert haben, waren wohl Insekten. Ein internationales Forschungsteam kommt in seiner Studie zu dem Schluss, dass die Laubheuschrecken, die es auch damals schon gab, ganz schön laut gewesen sein müssen. Und sie können sogar etwas darüber sagen, wie sie geklungen haben – weil es auch heute noch Laubheuschrecken gibt und die Wissenschaftler daraus Rückschlüsse ziehen konnten.

Naturhistorische Detektivarbeit

Heutige Laubheuschrecken erzeugen Geräusche, indem sie bestimmte Körperteile aneinander reiben. An ihrem Vorderflügel haben sie einen Vorsprung und den ziehen sie über eine Fläche mit Rillen am anderen Flügel.

"Am Vorderflügel haben Laubheuschrecken einen Vorsprung. Diesen ziehen sie über eine Fläche mit Rillen am anderen Flügel. Das erzeugt Geräusche."
Anne Preger, Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten

Je nachdem, wie weit diese Rillen auseinanderliegen und wie die Flügelteile gegeneinander bewegt werden, entstehen dann Laute, die für uns Menschen wie ein Zirpen, Kratzen, Brummen oder Zischen klingen.

Aufgrund des Flügelaufbaus versteinerter Laubheuschrecken können die Forschenden Rückschlüsse ziehen, wie die Insekten geklungen haben. In welchem Rhythmus sie gezirpt haben, lässt sich zwar nicht sagen, wohl aber, in welcher Tonhöhe. Das Forschungsteam hat die Überreste von Laubheuschrecken über weitere Teile des Dinozeitalters hinweg untersucht.

Tonhöhe entwickelte sich über die Zeit

Ergebnis: Am Anfang der Dinozeit vor rund 240 Millionen Jahren haben Laubheuschrecken eher tiefer gebrummt und gekratzt. Im Laufe der Jahrmillionen haben sie dann in der Tendenz eher höher gezirpt. Über verschiedene Laubheuschreckenarten hinweg wurde zudem die Bandbreite der Tonhöhen größer, also von tief über mittel bis hoch.

"Am Anfang der Dinozeit haben Laubheuschrecken eher tiefer gebrummt. Im Laufe der Jahrmillionen haben sie dann in der Tendenz eher höher gezirpt."
Anne Preger, Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten

Für diese Entwicklung sehen die Forschenden zwei Gründe:

  1. Es ist in der Evolution ein Vorteil, wenn man sich aus dem Chor der Arten von anderen abhebt: Die Laubheuschrecke macht die Geräusche, um mit ihren Artgenossen zu kommunizieren, zum Beispiel in Form von Paarungsrufen. Wenn alle Arten auf der gleichen Tonhöhe zirpen würden, könnten die Tiere nicht die richtigen anlocken.
  2. Auch bestimmte Fressfeinde können die Geräusche wahrnehmen und hören zu. Hier scheint es eine Art "evolutives Wettrüsten" gegeben zu haben: Am Anfang haben die Laubheuschrecken tiefer gezirpt – und wer sie hören konnte, wusste, wo es etwas zu fressen gab. Daraufhin entwickelten sich die Insekten weiter und sangen höher.

Die Fressfeinde, deren Ohren sich anpassten, wussten immer noch, wo es etwas zu fressen gab. Schon damals gab es erste Säugetiere, die sich vermutlich viel von Insekten ernährt haben. Das Forschungsteam vermutet, dass die frühen Säugetiere deswegen wahrscheinlich ein ziemlich gutes Gehör entwickelt haben.

Das T-Rex-Brüllen ist erfunden

Aber nochmal zurück zum fiktiven Brüllen des T-Rex in "Jurassic Park": Leider lässt sich weder sicher sagen, ob Dinos gebrüllt haben, noch wie das dann vielleicht geklungen hat. Denn die Körperteile, mit denen Echsen üblicherweise Geräusche machen, sind in Versteinerungen meistens nicht oder nur schlecht erhalten.

"Die Körperteile, mit denen Echsen üblicherweise Geräusche machen, sind in Versteinerungen meistens nicht oder nur schlecht erhalten."
Anne Preger, Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten

Fachleute vermuten, dass Dinos eher Geräusch mit geschlossenem Maul gemacht haben – also so etwas wie ein Gurren oder Grunzen. Das Brüllen des T-Rex mit offenem Maul wurde von den Filmemacher*innen unter anderem aus Löwenbrüllen und Lauten von Elefanten zusammengebastelt.

Was die Forschenden auch sagen: Später in der Dinozeit, im Jura, traten auch Vögel und Frösche auf die Bildfläche. Neben den Laubheuschreckenarten haben dann vermutlich auch sie den Sound der Dinowelt geprägt.

  • Moderation:  Markus Dichmann
  • Gesprächspartnerin:  Anne Preger, Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten