Für viele ist es ein Kindheitstraum: Leben im Baumhaus. Lili hat ihn wahr gemacht. Sie hat sich ein Häuschen in vier Meter Höhe gebaut – weil sie die Natur liebt, aber auch als politisches Statement und als Selbstversuch.

Fünf Kiefern am Waldrand - das ist das Zuhause von Lili. Genauer gesagt: Eine Plattform, die sich die 22-jährige Studentin zwischen den Stämmen der Bäume gebaut hat. Darauf: ein Holzhäuschen mit sechs Fenstern, einem großen Bett und einem Arbeitstisch, zwei Gaskochplatten, einem Blumenkübel als Waschbecken, einem Wasserkanister am Seilzug, und einer Terrasse, die genug Platz bietet für ein paar Besucher. Das alles in vier Metern Höhe, erreichbar über eine Leiter.

"Wohnungen dienen inzwischen oft nicht mehr dafür, ein Zuhause zu schaffen, sondern viel mehr dazu, Geld anzulegen und andere Leute reich zu machen."
Lili, Baumhausbewohnerin

Was für manche vielleicht wie eine Schnapsidee klingt, ist tatsächlich eine lang gereifte Idee. Wie überall in deutschen Städten ist auch in Lilis Studienstadt Freiburg Wohnraum knapp und teuer. Lange ist unklar, ob ihre WG in der schönen großen Wohnung bleiben kann. 

Leben im Baumhaus als Alternative zur Mietwohnung

Viele Bekannte leben bereits in Bussen oder Bauwagen. Und Lili, die Umweltwissenschaften studiert, liebt die Natur. Inspiriert von den Baumbesetzern im Hambacher Forst kam sie dann auf die Baumhaus-Idee.

"Darf ich auf ihrem Baum leben? Ich suche einen Baumhausbaum."
Lilis Anzeige bei der Baumsuche

Mit einer Freundin schreibt sie eine Anzeige, um geeignete Bäume zu finden. Nach einigen Besichtigungen entdeckt sie dann im Garten einer netten Familie am Stadtrand "ihre" Kiefern. Für rund 400 Euro Materialkosten (knapp mehr als ihre Monatsmiete früher), Holzspenden von Baustellen und Zimmereien und der Hilfe von Freunden und ihrem Bruder baut sie sich in etwa einem Monat ihr neues Zuhause. 

Baumschonende Bauweise

Keine einzige Schraube, keinen Nagel treibt sie dafür in die Bäume. Sie befestigt die Plattform mit Holzstücken, die mit Gewindestangen an den Stämmen quasi festgequetscht werden, die durch Gummimatten vor dem Druck geschützt werden. Das Dach hat sie nachträglich noch mit Spanngurten gegen den Wind gesichert.

"Es fühlt sich unglaublich gut und stark an!"
Lili, 22, über ihr Leben im Baumhaus

Denn den Wind hat sie unterschätzt. Der rüttelt ganz schön in vier Metern Höhe. Die Stämme bewegen sich asynchron, erzählt Lili lachend, so dass manchmal alles wackelt und knarzt. Ansonsten ist das Leben auf dem Baum super gemütlich, findet sie. Strom und Wasser bekommt sie von der Familie, in deren Garten die Bäume stehen - kostenlos. An das Leiterklettern gewöhne man sich. Und das mobile Kompostklo am Fuße der Kiefern sei auch nicht weiter weg als das WG-Klo früher. 

Fotogalerie:

Wenn sie die Augen aufschlägt, sieht Lili direkt den Wald und kann die Blaumeisenfamilie beobachten, die mit ihr in den Kiefern wohnt. Nur bei Gewitter weicht sie doch auch mal auf ihre alte WG aus, wo sie immer willkommen ist und ab und zu mal Wäsche wäscht. Auch zum Duschen geht sie manchmal dort vorbei - oder an den See oder ins Schwimmbad. Insgesamt habe sie nicht das Gefühl, zu verzichten, sagt Lili.

"Ich habe eine sehr starke Verbundenheit zur Natur."
Lili, Baumhausbewohnerin

Trotzdem ist die Zeit im Baumhaus bald vorbei. Für Lili war es von Anfang an ein Projekt auf Zeit. Demnächst wird sie für ein halbes Jahr für ein Auslandssemester nach Bhutan gehen. Das Baumhaus übernimmt dann die Familie, die ihr die Bäume zur Verfügung gestellt hat. Und was hat sie gelernt aus dieser Zeit? Am allermeisten, antwortet Lili, dass es viele tolle Menschen gibt, die bereit sind zu helfen und unterstützen, und dass man sich auf Menschen verlassen kann.

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