Die Aidshilfe und der Akzept Bundesverband veröffentlichen ihren Alternativen Drogenbericht. Sie fordern weniger Strafverfolgung, Entkriminalisierung und mehr Hilfe für Drogenkonsumentinnen und Konsumenten.

Jedes Jahr veröffentlichen das Bundeskriminalamt und die Bundesdrogenbeauftragte ihren Bericht zur Rauschgiftlage. Darin heißt es: Der Drogenhandel in Deutschland nimmt weiter zu, auch die Anzahl der Delikte vor allem in Verbindung mit Kokain steigt.

Ihre Strategie dagegen: mehr strafrechtliche Verfolgung, um Drogenhändlerinnen- und Händler aufzuspüren und Menschen, die Drogen nehmen, abzuschrecken.

Andere Sichtweise auf Drogen in Deutschland

Aber es gibt auch noch eine andere Sichtweise auf den Drogenkonsum in Deutschland - darauf wirft der Alternative Drogen- und Suchtbericht einen Blick.

Dieser Bericht hat nichts mit der Polizei zu tun, sondern wird von der Deutschen Aidshilfe und dem Akzept Bundesverband veröffentlicht. Beteiligt sind vor allem Menschen aus der Wissenschaft und der Praxis, also zum Bespiel der Drogenhilfe. "Die verstehen sich nach eigener Aussage als konstruktiv-kritische Ergänzung zu dem Drogenbericht der Bundesregierung", sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Rahel Klein.

"Im Bericht wird ein anderer Umgang in der Drogenpolitik gefordert. Da liegt der Fokus nicht auf der Strafverfolgung, sondern unter anderem auf der Schadensminimierung."
Rahel Klein, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Diese Drogen-Expertinnen und Experten haben ein anderes Interesse als das Bundeskriminalamt. Ihnen geht es nicht um Strafverfolgung von Drogendelikten. Sie wollen Schadensminimierung.

Zum Beispiel fordern sie eine saubere Spritzenabgabe bei Heroinabhängigen, auch in Gefängnissen. Sie wünschen sich Drogenkonsumräume in allen Bundesländern und Drug Checking. Dabei werden Drogen auf ihren Reinheitsgehalt überprüft.

Drug Checking soll saubere Drogen garantieren

"Das haben wir in Deutschland bisher nicht", sagt Holger Wicht von der Deutschen Aidshilfe. "Das brauchen wir aber ganz dringend, um Menschen vor den Schäden von Drogenkonsum zu bewahren." Dort, wo Drogen konsumiert werden, etwa auf Events oder in Clubs, würden die Drogen geprüft werden - in Verbindung mit einem Beratungsangebot.

Es geht Holger Wicht und seinen Kolleginnen und Kollegen nicht in erster Linie darum, Menschen komplett von Drogen abzubringen. "Das ist oft unrealistisch", sagt er. "Manche Menschen wollen oder können nicht aufhören." Deren Gesundheitsschäden sollten aber so klein wie möglich gehalten werden.

Das Drug Checking zum Beispiel will die Drogenbeauftragte des Bundes Daniela Ludwig auch prüfen. Eigentlich sollte es dazu längst ein Modellversuch in Berlin geben, der ist aber immer wieder verschoben worden. In Österreich, den Niederlanden oder in der Schweiz wird Drug Checking bereits erfolgreich umgesetzt.

"Die regulierte, staatliche Abgabe von Drogen muss die kriminellen Schwarzmarktstrukturen ersetzen, damit wir die Kontrolle zurückgewinnen. Denn die Mittel der Strafverfolgung sind mittlerweile nur noch ein Kampf gegen Windmühlen."
Holger Wicht, Deutsche Aidshilfe

Die Köpfe hinter dem Alternativen Drogen- und Suchtbericht wollen eine Entkriminalisierung und eine liberalere Drogenpolitik. "Die regulierte, staatliche Abgabe von Drogen muss die kriminellen Schwarzmarktstrukturen ersetzen, damit wir die Kontrolle zurückgewinnen", sagt Holger Wicht. "Denn die Mittel der Strafverfolgung sind mittlerweile nur noch ein Kampf gegen Windmühlen."

Kritik: Verharmlosung von Drogen

An den Forderungen gibt es viel Kritik, denn so würde der Drogenkonsum verharmlost oder gar gutgeheißen werden. Menschen könnten sich so dazu eingeladen fühlen, Drogen zu nehmen.

Vor allem die Politik hat nach Ansicht der Forschenden des Alternativen Drogenberichts einen ganz anderen Blick auf das Drogenproblem als die Wissenschaft.

Sie schlagen vor: Wissenschaft und Forschung sollte bei den Überlegungen zur Drogenpolitik mehr einbezogen werden, es sollte einen drogenpolitischen Fachbeirat geben wie in der Schweiz, um hier auch Menschen aus der Praxis mehr in die Gesetzgebung miteinzubinden.