In den letzten Jahren sind wir immer perfektionistischer geworden. Perfektionismus kann viele Ursachen haben und krank machen. Wenn wir zu hohe Ansprüche an uns selbst haben, steigt das Risiko für Stress, Depressionen, Angst- und Essstörungen.

Vor allem jüngere Generationen in westlichen Ländern haben ein Perfektionismusproblem. Zu diesem Schluss kommen Psychologen aus den USA, Kanada und Großbritannien, nachdem sie 77 Studien ausgewertet haben, die sich mit dem Thema Perfektionismus beschäftigen. Insgesamt haben an allen Studien 25.000 Leute zwischen 15 und 49 Jahren teilgenommen. Vor allem Studentinnen. 

Nicht nur Frauen sind perfektionistisch

Die Forscher betonen aber, dass das Perfektionismusproblem nicht rein weiblich sei. Männer würden genauso stark nach Perfektionismus streben. Aber möglicherweise aus anderen Gründen. Diese Gründe wollen sie als nächsten Schritt genauer erforschen. Im Moment können sie nur spekulieren: Vielleicht wollen Frauen eher perfekt sein, um anderen zu gefallen, und Männer, um sich gegenüber anderen durchzusetzen, heißt es.

Ursachen für Perfektionismus sind vielfältig

Ursachen, für einen möglichen Trend zum Perfektionismus, können laut der Forscher vielfältig sein. Unter anderem kann es an folgenden Aspekten liegen:

  • In sozialen Netzwerken begegnen uns ständig scheinbar perfekte "Vorbilder"
  • Wir sind umgeben von Erfolgsmaßstäben anderer Menschen an uns
  • Konkurrenzkampf als Lebensgefühl
  • Eltern, die kritisch sind und alles kontrollieren (Helikopter-Eltern)

Jetzt ist ja aber nicht jeder, der hohe Ansprüche an sich und seine Leistung hat, per se ein krankhafter Perfektionist. Dinge gut machen zu wollen ist eine Qualität, die nicht negativ bewertet werden muss. "Aber: Es kann eben auch ins Negative kippen", sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Anne Preger.

Die Forschung zeigt, dass es Perfektionisten psychisch oft nicht so gut geht. Es fällt Perfektionisten schwer, Fehler zu akzeptieren oder von Aufgaben abzuschalten. Sie haben ein höheres Risiko als andere Menschen für Stress, Depressionen, Angst- und Essstörungen und auch Suizid.

Je älter Perfektionisten werden, desto mehr psychische Probleme bekommen sie. Außerdem steigt das Risiko für einen Burnout.

Mittel gegen Perfektionismus: Mehr Liebe

Perfektionisten hätten oft die Tendenz, sich bei Aufgaben zu verzetteln und sich in Details zu verlieren. Helfen könne dagegen, sagt Anne Preger, sich selbst Regeln und Zeitfenster zu setzen, damit wir die Arbeit nicht ins Wochenende oder unsere Freizeit mitnehmen.

"Perfektionisten müssen schauen, dass sie mehr Liebe für ihre eigenen Unzulänglichkeiten - und die der anderen - finden."
Anne Preger, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Anne Preger ergänzt: Wer wirklich ein ernstes Perfektionismusproblem hat, für den oder die kann es echt schwer sein, da ohne professionelle Hilfe raus zu kommen. Und Hilfe annehmen, das ist kein Scheitern, sondern ein Schritt zur Selbsterkenntnis.

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