Die meisten Deutschen wissen nicht, was Depressionen sind, wie sie sich auf die Betroffenen auswirken und was dagegen hilft. Frauke Gonsior leidet seit 2013 unter Depressionen und bloggt darüber.

Eine repräsentative Befragung im Auftrag der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Deutsche Bahn Stiftung hat Ende 2017 ergeben, dass fast jeder Fünfte denkt, Depressionen würden abklingen, wenn die Betroffenen Schokolade essen. Befragt wurden 2000 Menschen zwischen 18 und 69 Jahren. 

Als Ursachen für Depressionen nennen die Befragten Schicksalsschläge oder Belastung am Arbeitsplatz. Ein Drittel glaubt, dass Charakterschwäche ein Grund sein kann. Nur zwei Drittel wussten, dass Vererbung und Stoffwechselstörungen im Gehirn Auslöser sein können. Es muss also noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden.

Deutsche Depressionshilfe Grafik

Frauke Gonsior bloggt über ihre Erkrankung. Ihr wurde im Sommer 2013 eine mittelschwere bis schwere Depression diagnostiziert. Um mit der Krankheit klar zu kommen, schreibt die 34-jährige Dortmunderin beispielsweise über die Symptome oder gibt Tipps, was helfen kann, um den Verlauf abzuschwächen.

Selbst die Erkrankung wahrnehmen

Tatsächlich hat Frauke selbst am Anfang nicht genau gewusst, was mit ihr los ist, warum sie so niedergeschlagen ist. Als Suizidgedanken dazu kamen, während sie mit einer Freundin im Bayerischen Wald zum Wandern war, hat sie ihre Gedanken für sich behalten, um ihre Freundin nicht zu belasten.

Nach dem Urlaub ist Frauke direkt zum Arzt, weil ihr klar geworden war, dass sie etwas unternehmen muss. 

"Die Depression kam schleichend, aber es hat sich innerhalb von zwei, drei Wochen so dramatisiert, dass ich sagte: Ich kann nicht mehr weitermachen wie bisher."

Wie es sich anfühlt, eine Depression zu haben, beschreibt Frauke so: 

"Ich nehme nichts mehr wahr oder sehr wenig. Ich nehme keine Farben mehr wahr. Für mich ist alles grau, schwarz. Ich nehme keine Gerüche wahr. Tag und Nacht ist alles eins. Das ist so eine Hoffnungslosigkeit, weil das Licht am Ende des Tunnels fehlt. Es ist ein Gefühl der Machtlosigkeit, Hilflosigkeit, des Ausgeliefertseins."

"Da ist ein Riesenchaos in meinem Kopf, als wenn das Radio spielt, der Fernseher läuft und dann ist noch Geschrei."
Frauke Gonsior

Wie es Frauke gelingt, mit ihren Depressionen zu leben:

"Mittlerweile gelingt es mir, die Frühwarnzeichen zu erkennen. Ich komme dann nicht mehr so tief runter, wie ich schon mal war. Das war aber ein langer Prozess. Frühwarnzeichen können sein: Schlafstörungen. Grübeln. Es fängt um mich herum an, alles grauer zu werden. Ich verarbeite Dinge anders, ich brauche viel länger, um Reize zu verarbeiten, um Sachen abzuschließen."

"Ich merke, wenn ich auf ein Tief zu steuere, dass mein Gehirn anders arbeitet. Es wird vermutet, dass der Stoffwechsel im Gehirn dann anders arbeitet. Ganz nachgewiesen ist es ja immer noch nicht."
Frauke Gonsior

Was Frauke macht, um die die beginnende Depression abzuschwächen:

"Ich schaffe mir Zeiten für mich, in denen ich nur mit mir zu tun habe. Der einzige, der mich begleiten darf, ist mein Hund. Was mir Antrieb gibt: Mein Hund, der um mich herumspringt und Lebensfreude versprüht, die ich in dem Moment überhaupt nicht habe. Sobald ich in der reizarmen Umgebung mit wenig Menschen oder ganz ohne Menschen bin, in der Natur, kann ich runterfahren. Für mich selber sorgen: Selbstliebe, Selbstsorge, Achtsamkeit: Wie geht es mir? Wie fühle ich mich? Was tut mir gut? Vielleicht ein Vollbad oder ein leckerer Kakao mit Sahne."

Was sich Frauke von ihren Mitmenschen wünscht:

"Ich finde es wichtig, dass mein Umfeld die Krankheit akzeptiert und dass die Menschen mich respektieren, dass sie mich nicht abwerten, negativ behandeln oder nur noch als kranken Menschen sehen, sondern als Mensch mit einer Krankheit. Wichtig ist aber auch, dass der oder die Betroffene zu der Krankheit steht und sagt: Ich habe eine Depression. Weil der Gegenüber dann die Chance hat, damit umzugehen. Mir hat geholfen, dass mir Hilfe angeboten wurde, ich aber den Freiraum hatte, sie anzunehmen oder auch abzulehnen, dass das nicht so überbordend war und ich noch ein selbstbestimmter Mensch war und mir keiner etwas aufgezwungen hat."

Wie das Umfeld auf Fraukes Depression reagiert:

"Menschen, die mir nahe stehen, gehen sehr offen und sehr gut mit meiner Erkrankung um. Andere reagieren aus Unsicherheit, Unerfahrenheit oder mangelndem Wissen sehr distanziert, haben Vorurteile und verurteilen mich auch ein Stück weit. Es braucht wahrscheinlich noch eine sehr lange Zeit, bis die Menschen der Krankheit gegenüber "normal" reagieren, weil es immer noch ein Tabuthema ist. 

Für die Betroffenen wäre der leichtere und schnellere Zugang zu einem Therapieplatz eine Verbesserung. Es gibt Kontingente an Ärzten, die Depressionen therapieren dürfen, das gibt es bei anderen Erkrankungen ja auch nicht. Ich glaube, dass es da noch ein gesellschaftliches Manko gibt, Depressionen zu akzeptieren und anzunehmen. Solange Depressionen von offizieller Seite wie Krankenkassen, Kostenträgern oder von der Politik so behandelt werden, wird die Gesellschaft auch keine andere Haltung dazu entwickeln."

"Es gibt so ein Unverständnis darüber, wie krass diese Krankheit ist oder sein kann."
Frauke Gonsior

Falls Ihr Fragen zu Depressionen habt, bietet die Telefonseelsorge unter 0800/111 0 111 kostenfrei Hilfe. Auch die Deutsche Depressionshilfe bietet Rat.

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