Chelonoidis nigra phantasticus ist zurück: Auf einer Galapagosinsel ist diese Schildkrötenart wieder aufgetaucht. Ein Experte für Artenschutz erklärt, wann eine ganze Spezies tot ist – und wann nicht.

Auf der Galápagos-Insel Fernandina ist eine besondere Riesenschildkröte gefunden worden. Sie gehört zu der Art Chelonoidis nigra phantasticus und war zuletzt im Jahr 1906 nachgewiesen worden. Sie galt als ausgestorben. Es ist auch nicht auszuschließen, dass dies das letzte Exemplar ihrer Art ist. Dann würde es sich bei Chelonoidis nigra phantasticus um eine funktional ausgestorbene Art handeln. So nennt man Arten, die auf natürlichem Weg nicht fortbestehen können, weil ein Tier sich nicht mehr fortpflanzen kann, erklärt Arnulf Köhncke. Er arbeitet für den WWF und ist Leiter des Fachbereichs Artenschutz. Für ihn ist die Entdeckung dieses Schildkrötenexemplars eine Ausnahme, die zudem für das Leben der ganzen Art unbedeutend sein könnte.

"Die meisten ausgestorbenen Tiere und Pflanzen kehren nicht plötzlich zurück, weil ein Aussterben in der Regel doch endgültig ist."
Arnulf Köhncke, WWF, Leiter Fachbereich Artenschutz

Einzelne Funde von Kot, Biss- und Fußspuren sowie unbestätigte Sichtungen hatten die Weltnaturschutzunion International Union for Conservation of Nature zuvor bereits vermuten lassen, dass es vielleicht doch noch einige dieser Riesenschildkröten geben könnte. 

Das aktuelle Exemplar hat nun eine Expedition von Naturschützern und der Galápagos-Parkbehörde entdeckt, twitterte der ecuadorianische Umweltminister Marcelo Mata.

Tierarten: Erst sind sie bedroht, dann ausgestorben

Arnulf Köhncke sagt, dass sich der WWF nach der Roten Liste der International Union for Conservation of Nature richtet. Gilt dort eine Art als ausgestorben, geht auch er davon aus, dass diese Einordnung stimmt. Bis eine Spezies dort tatsächlich als ausgestorben aufgenommen wird, kann es allerdings dauern. Arnulf Köhncke nennt den chinesischen Flussdelphin Baiji. Er gilt bereits lange als bedroht – sei mit großer Wahrscheinlichkeit aber ausgestorben. So konnte schon 2010 eine Expedition keine Tiere entdecken.

Sichtungen und DNA-Analyse

Sichtungen sind nach wie vor das wichtigste Mittel um festzustellen, ob eine Art ausgestorben ist. Eine neuere Methode ist zudem die DNA-Analyse von Wasserproben. Aber diese Instrumente müssen noch verfeinert werden. Je nach Tierart gibt es noch weitere Quellen, um den aktuellen Stand abzugleichen. Im Fall von bedrohten und ausgestorbenen Vogelarten lässt sich etwa eine zweite Meinung bei der Organisation Bird Life einholen.

"Ich kann mir vorstellen, dass neue Methoden entwickelt werden, um sicher zu prüfen, ob Tiere nicht doch noch vorhanden sind."
Arnulf Köhncke, WWF, Leiter Fachbereich Artenschutz

Beim Flussdelphin schätzen Forscher, dass es etwa 20 Tiere bräuchte, um ein Überleben der Art zu sichern. Und auch für die einzelne Riesenschildkröte auf den Galapagos-Inseln sieht es nicht gut aus. Chelonoidis nigra phantasticus wird vermutlich endgültig auf der Liste der ausgestorbenen Arten bleiben, wenn nicht noch mehr Überlebende auftauchen. 

Ein Beispiel für eine ausgestorbene Art ist der australische Beutelwolf, auch Tasmanischer Tiger genannt. Das letzte Tier starb 1936 in einem Zoo. Doch die Menschen erinnern sich noch an das Tier und auch Jahrzehnte später gibt es immer mal wieder vermeintliche Sichtungen durch Anwohner - die sich bisher jedoch allesamt als falsch erwiesen.

Beutelwolf Thylacinus cynocephalus , ausgestorben , das letzte bekannte Tier starb in der Nacht vom 6. auf den 7. September 1936 im Zoo Hobart , Tasmanien.
© imago | Steffen Schellhorn
Mit Sicherheit ausgestorben: Beutelwolf Thylacinus cynocephalus – das letzte bekannte Tier starb 1936 im Zoo Hobart.

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