Unter anderem wegen des Baubooms und strenger Naturschutz-Vorgaben herrscht in Deutschland Sand- und Kiesmangel. 

Eigentlich ist Deutschland reich an den Rohstoffen Sand und Kies. Und wir brauchen derzeit auch viel davon. Das hat vorwiegend damit zu tun, dass wegen der niedrigen Zinsen viel gebaut wird - und für den Beton wird eben Sand und Kies benötigt.

Dem großen Bedarf stehen aber strenge Naturschutzvorgaben gegenüber, die es Kieswerken schwer machen, ausreichend viel Kies und Sand aus der Erde zu gewinnen, weil die Flächen nicht zugänglich sind. 

Anhand eines konkreten Beispiels aus dem Norden Deutschlands wird die Problematik deutlich. 

Kieswerk in Grevenkrug muss schließen

Familie Gliedemann betreibt mehrere Kieswerke in Schleswig-Holstein. Das erste Kieswerk in Grevenkrug, 15 Kilometer südlich von Kiel, eröffneten sie vor 40 Jahren. Dieses Werk muss nun schließen, weil der Rohstoff Sand ausgegangen ist und sie die Betonwerke und die Baustellen nicht mehr beliefern können. 

"Wir müssen das Werk schließen, weil wir nicht mehr weiter produzieren können."
Lars Gliedemann, Betreiber des Kieswerks in Grevenkug

Eigentlich möchte Lars Gliedemannseit Jahren knapp 100 Meter vom derzeiten Kieswerk entfernt ein neues eröffnen. Weil dort aber ein Landschaftsschutzgebiet ist, bekommt er vom zuständigen Landrat die Genehmigung nicht. 

Fälle wie diese gibt in ganz Deutschland - weshalb die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe vor Kurzem vor Lieferengpässen in der Baubranche gewarnt hat.

Naturschützer kritisieren Politik und fordern Nachhaltigkeit

Naturschützer blicken von einer anderen Seite auf das Thema. Benjamin Bongardt vom Naturschutzbund Nabu sagt, dass etwas falsch laufe in der Siedlungs- und Baupolitik. Er fordert mehr Sanierungen und, dass mehr darauf geachtet wird, alte Bauteile wieder zu verwerten. 

"Wenn die Branche meldet, es gibt Engpässe, dann läuft da etwas falsch."
Benjamin Bongardt vom Naturschutzbund Nabu

Dass das Kieswerk in Grevenkrug kein zweites Werk kurz daneben eröffnen kann, findet Maike Brzakala richtig. Sie ist Ortsgruppenvorsitzende der Umweltschutzorganisation BUND und verweist darauf, dass das Gelände in einem Landschaftsschutzgebiet liegt. 

"Es ist eine seltene Gegend, weil hier die Eider fließt und dieses Gebiet auch für das Kieler Trinkwasser zuständig ist."
Maike Brzakala, Ortsgruppenvorsitzende der Umweltschutzorganisation BUND​

Brzakala befürchtet, dass die Gegend bald wie eine Mondlandschaft aussieht, wenn dort weiter Kies und Sand abgebaut würde. 

Dem hält Lars Glindemann entgegen, dass nach der Zeit des Abbaus eine "hochwertig renaturierte Naturfläche mit einem See" entstehen würde. - Er hat bereits 1,2 Millionen Euro in Pläne und Gutachten gesteckt und verweist auf das öffentliche Interesse an der Versorgung für Infrastruktur und Betonwerke. 

Für Unternehmer wie ihn wird es in Zukunft nicht leichter werden. Die Konkurrenz um verfügbare Flächen zum Abbau von Kies und Sand in Deutschland ist größer geworden; hinzukommen der Wettbewerb mit Landwirten und Naturschützern und komplizierte Genehmigungsverfahren. 

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