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Open Book Klausuren an den Unis können in der Pandemie eine Lösung sein. So sind keine Präsenzprüfungen nötig und trotzdem wird der Datenschutz eingehalten. Und bei diesen Klausuren sind fast alle Hilfsmittel erlaubt. Diese Kofferklausuren verändern auch das Lernen, sagt unser Bildungsfachmann Armin Himmelrath.

Der studentische Dachverband fzs, der "freie zusammenschluss von student*innenschaften", hat die Universitäten und Fachhochschulen in Deutschland scharf kritisiert – nachzulesen in der Pressemitteilung vom 10. Februar 2021.

Unis und Fachhochschulen steuerten ziemlich planlos in die aktuelle Prüfungsphase, heißt es. Entweder sie würden auf Präsenzklausuren bestehen und damit den Infektionsschutz gefährden. Oder sie setzten auf digital Prüfungen und würden dabei den Datenschutz vernachlässigen.

Denn während der Klausuren werden zum Teil Bild, Ton oder auch Augenbewegungen aufgezeichnet. "Diese Art der Überwachung stellt einen erheblichen und rechtlich zweifelhaften Eingriff in Datenschutz und Privatsphäre der Studierenden dar", heißt es in der Mitteilung.

Open Book Klausur: Fast alle Hilfsmittel sind erlaubt

Eine Alternative können Open Book Klausuren sein, also Kofferklausuren. Diese stehen ab einem bekannten Termin online zum Abruf zur Verfügung und nach dem Download haben die Studierende eine vorgeschriebene Frist, um die Fragen zu lösen oder zu beantworten. Wie sie das machen, ist ihnen überlassen, so unser Bildungsexperte Armin Himmelrath.

"Wie Studierende die Klausur bearbeiten, ob sie im Netz recherchieren, alles im Kopf haben oder in welches Buch sie schauen, das bleibt ihnen überlassen."
Armin Himmelrath, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Damit sind praktisch alle Hilfsmittel erlaubt. Auch die Netzrecherche, das Vorlesungsskript, eigene Aufzeichnungen oder Anrufe. Und natürlich könnten auch andere die Klausur schreiben.

Kritiker von Open Book Klausuren verweisen auf diese Gefahr. Doch Befürworter halten die Prüfung für radikal fair. "Denn es kommt allein auf die eigene gute Vorbereitung an", sagt Armin Himmelrath. Dazu gehört, wie gut jemand vorab sein Wissen organisiert und Informationen strukturiert hat. Auch wie man weiß, wo und wie man sichere Antworten findet. "Das ist viel näher an der Realität", sagt Armin. Denn genau darum geht es später auch im Job.

"Open Book Klausuren haben eine andere Aussagekraft. Es geht um Wissen und Recherche: Wie komme ich da ran?"
Armin Himmelrath, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Open Book Klausuren werden deshalb auch das Lernen verändern. Und zwar extrem, sagt Armin. "Es wird tiefgründiger. Es kommt viel mehr auf Zusammenhänge an." Die Studierenden müssen sehr viel besser wissen, wo sie welche Informationen finden. Deshalb sei die Vorbereitung auf eine Open Book Klausur aufwendiger, aber sie sei nachhaltiger, so seine Einschätzung.

Die Lehrenden haben Bedenken

Doch die Dozenten und Dozentinnen tun sich bislang schwer mit Open Book Klausuren, sagt Armin Himmelrath. Um dieses Klausur-Format zum Standard zu machen, sei ein Umbruch in der Lernkultur nötig. Wichtig sei aber auch der Punkt Rechtssicherheit. Eben der Aspekt, den Kritiker und Kritikerinnen bemängeln: Wie kann gewährleistet werden, dass tatsächlich die Studierenden selbst die Prüfung schreiben und nicht schreiben lassen.

"Jede Hausarbeit ist im Grund auch eine Open Book Klausur nur mit deutlich mehr Zeit."
Armin Himmelrath, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Doch im Grunde gilt das Problem auch für jede Hausarbeit, sagt Armin. Helfen kann da eine eidesstattliche Erklärung, die die Studierenden unterschreiben und damit erklären, dass sie tatsächlich selbst die Hausarbeit geschrieben haben. Und genau diese eidesstattliche Erklärung kann bei Open Book Klausuren ein bestimmtes Maß an Sicherheit schaffen.