Fünf Jahre ist es her, da entführte die Terrormiliz Boko Haram 276 Mädchen aus einer Schule in Chibok, Nigeria. Einige konnten fliehen, andere wurden freigelassen. Aber viele sind bis heute nicht zurückgekehrt. Es ist er bekannteste Fall dieser Art. Aber die islamische Terrormiliz überfällt bis heute Schulen und verschleppt Kinder – Mädchen, aber auch Jungen.

Unter dem Hashtag #bringbackourgirls forderten Menschen auf der ganzen Welt die Rückkehr der "Chibok-Girls". Hinter dem Hashtag steht auch eine Initiative, die Mitglieder treffen sich bis heute täglich, um an die verschleppten Mädchen zu erinnern. Denn fünf Jahre später sind noch immer 112 der "Chibok-Girls" in der Gewalt von Boko Haram.

"Das ist sehr schwierig einzuschätzen, weil wir einfach sehr wenige Informationen haben, über den Verbleib der Schülerinnen."
Dunja Sadaqi, ARD-Korrespondentin für Nigeria, über den Verbleib der entführten Mädchen aus Chibok

Die Angehörigen der Mädchen werfen der nigerianischen Regierung vor, dass sie zu wenig unternehme, um die Schülerinnen zu befreien, sagt die ARD-Korrespondentin Dunja Sadaqi. 2017 hatte Boko Haram nach langen Verhandlungen mit der nigerianischen Regierung 82 junge Frauen freigelassen. Im Gegenzug soll die Regierung Boko-Haram-Kommandeure freigelassen und rund drei Millionen Euro gezahlt haben. Vorher waren schon Mädchen ausgetauscht worden, einigen von ihnen ist auch die Flucht gelungen, viele sind gestorben. Aber was genau mit ihnen passiert ist, sei schwer zu sagen, so Dunja Sadaqi.

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Integration in altes Leben schwierig

Manche der zurückgekehrten "Chibok-Girls" konnten zum Beispiel mithilfe von Spenden in die USA reisen und dort zur Schule gehen oder studieren. Aber viele Rückkehrerinnen gehen in ihr Heimatdorf zurück. Dort erwartet sie oft Misstrauen: Die Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohner haben Angst, dass sie zu Boko Haram übergelaufen sein könnten. Denn die Terrormiliz missbraucht die Jugendlichen unter anderem dazu, Selbstmordattentate zu begehen.

"Was wir eigentlich hören aus Nigeria, ist, dass diese jungen Frauen und Mütter es sehr schwierig haben."
Dunja Sadaqi, ARD-Korrespondentin für Nigeria

Auch an psychologischer Betreuung scheint es zu fehlen, obwohl die nigerianische Regierung Hilfe angekündigt hatte. Viele junge Frauen waren über Jahre in der Gefangenschaft von Boko Haram. Sie wurden zwangsverheiratet, haben Kinder bekommen. Wurden regelmäßig vergewaltigt. Auch Jungen und junge Männer, die von der Terrormiliz entführt wurden, sind traumatisiert.

Boko Haram macht Nigerianer zu Flüchtlingen im eigenen Land

Die Entführungen haben langfristige Folgen: Gerade im Nordosten Nigerias haben Eltern Angst, ihre Kinder zur Schule zu schicken, so Dunja Sadaqi. Hinzu kommt die Angst vor Anschlägen der Terrormiliz. Bei dem Versuch, einen islamischen Staat zu gründen, habe Boko Haram Millionen von Nigerianern zu Flüchtlingen im eigenen Land gemacht.

"Boko Haram hat Millionen von Nigerianern zu Flüchtlingen im eigenen Land gemacht."
Dunja Sadaqi, ARD-Korrespondentin für Nigeria

Auch viele Landwirte sind vor Boko Haram geflohen und haben ihre Felder zurückgelassen – sie bauen keine dringend benötigten Lebensmittel an. Hinzu kommen weitere Konflikte im Land. "Die Situation in Nigeria verschärft sich leider weiter", so Dunja Sadaqi.