Bookmaker

Wie die Briten auf den Brexit wetten

Die Briten lieben Wetten. Sie setzen ihr Geld auf alles, was man sich so vorstellen kann: auf den Vornamen von royalen Babys, darauf, dass die Welt untergeht und auch auf den Brexit und die Zukunft von Theresa May. Ein Blick auf die Buchmacher verrät viel darüber, wie die Briten so ticken.

Die größten Wetten, die im Moment laufen, sind zum Beispiel Antworten auf die Frage: Wird Großbritannien die EU bis zum 29. März verlassen? 79 Prozent der Bookmaker, der Buchmacher – Betreiber der Wettbüros – sagen: Nein, das wird nicht passieren. Auch Mike Smithson ist der Meinung. Ihm gehört die Seite Politicalbetting.com. In den vergangenen Tagen seien auf die Antworten Wetteinsätze im Wert von einer Million britischer Pfund eingegangen.

Auf Platz zwei der aktuellen Wetten steht: Wird es ein zweites Referendum geben? Die Buchmacher sagen im Moment dazu: Die Chancen steigen. 

Seit 1961 gibt es offizielle Wettbüros

Wetten ist in Großbritannien Volkssport und gehört schon lange zur Kultur. Früher wurde in Hinterzimmern gewettet, 1961 durften die Buchmacher dann offizielle Wettbüros einrichten. Die Nachfrage war damals so groß, dass bis 1968 rund 15.000 Läden eröffneten. Bis heute spielt das Wetten für die Briten eine große Rolle.

"Die Leute, die da wetten, sind meist involviert in der Politik und informiert über Politik. Aktive Politiker und ihre Mitarbeiter zum Beispiel. Es ist ein gut informierter Markt!"
Mike Smithson, Chef der Seite politicalbetting.com

Wer jetzt denkt, dass man nichts darauf geben kann, auf was da ein paar spiel- und wettverrückte Briten ihr Geld setzen, der täuscht sich.  Zumindest ein bisschen. Denn gerade bei den politischen Wetten seien viele politische Akteure dabei. Menschen, die in der Politik arbeiten und extrem gut informiert seien, so Smithson.

Mike Smithson hat auch ein konkretes Beispiel: In der Nacht des Referendums stand irgendwann fest, dass die Briten für den Brexit gestimmt haben. Morgens um halb fünf reagierten die Börsen darauf. Das Pfund fiel gegenüber anderen Währungen ab – die Reaktion der Devisenhändler. Bei den politischen Wetten hingegen waren die Quoten bereits zwei Stunden früher gekippt.

Gewettet wird auch auf Zukunftsszenarien

Die Briten wetten aber nicht nur auf die Antworten zu politischen Fragen, sondern auch auf teilweise beängstigende Zukunftsszenarien:

  • Werden die Briten demnächst hungern?
  • Wird die medizinische Versorgung schlechter?
  • Werden die Supermarktregale leer sein?
  • Werden französischer Käse und Frankfurter Würstchen fehlen?

Rupert Adams vom traditionsreichen Wettanbieter William Hill sagt, er glaube schon, dass einige dieser Szenarien eintreffen werden, allerdings sagt er auch, dass die meisten Wetten, die sich mit dem Brexit beschäftigen, ernster seien. Da gehe es darum, ob es einen Brexit mit oder ohne Deal gibt, ob es überhaupt einen Brexit gibt oder ob Großbritannien am Ende doch in der EU bleibt. Oft geht es auch um einen konkreten Stichtag. Zum Beispiel bei der Frage, ob Theresa May am 1. April 2019 noch Premierministerin sein wird.

"Bedeutet ein No-Deal-Brexit, wir müssen hungern? Es ist sehr schwierig, so eine Wette exakt zu definieren."
Mike Smithson, Chef der Seite politicalbetting.com

Mike Smithson sagt, am besten laufen die Wetten, die besonders klar definiert sind. Bei der Frage danach, ob die Briten hungern werden, wird es da schon schwieriger. "Die Buchmacher finden das selbst sehr schwierig. Es gab ein paar Versuche, aber diese Wetten haben sich nicht lange gehalten", sagt Smithson.

Mehr zum Thema:

  • Brexit-Chaos: Wie es jetzt weitergeht  |   Es war eine sehr deutliche Angelegenheit: Mit 432 zu 202 Stimmen hat das britische Unterhaus das von Theresa May mit der EU mühsam ausgehandelte Brexit-Abkommen abgelehnt. Ende März verlässt Großbritannien die EU. Kommt jetzt der harte Brexit?
  • Die Feinheiten des Parlaments in London  |   Hier ist der Speaker der Chef – jedenfalls ein bisschen. Klatschen ist im Plenum nicht erlaubt, Brüllen hingegen schon: Das sind die Spielregeln im britischen Unterhaus.
  • Üben für den harten Brexit  |   Der Brexit ist für den 29. März geplant. Bislang gibt es keinen Vertrag, wodurch dem Königreich schwere Folgen drohen. Zum Beispiel könnten Medikamente knapp werden. Wie das Land den Ernstfall an seinen Grenzen übt, weiß Friedbert Meurer, Deutschlandfunk-Korrespondent in Großbritannien.