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Christiana Bukalo ist in München geboren und dennoch staatenlos. Wie es dazu kommen konnte und wie die fehlende Staatsbürgerschaft ihr Leben beeinflusst, erzählt sie in Ab21.

Die meisten von uns müssen sich kaum Gedanken und nur wenige Sorgen machen, bevor sie in ein anderes Land reisen. Bei Christiana ist das anders, denn statt eines Reisepasses hat sie nur einen Reiseausweis. Dieses Dokument können staatenlose Menschen ab 18 Jahren zur Aus-und Einreise beantragen. Obwohl Christiana in München geboren ist, gehört sie zu den 26.000 staatenlosen Menschen, die laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge schätzungsweise in Deutschland leben.

Zwar steht in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen, dass jeder Mensch das Recht auf eine Staatsangehörigkeit hat. Aber es gibt unterschiedlichste Gründe, warum die Realität anders aussieht. Im Fall von Christiana ist das passiert, "weil unzureichende Infos über die Identität meiner Eltern vorhanden waren", erklärt sie. Ihre Eltern waren vor ihrer Geburt aus Westafrika nach Deutschland geflohen.

Christiana erlebte, was ein Fehlen der Staatsangehörigkeit bedeutet

Lange habe sie ihre Staatenlosigkeit nicht verstanden. "Als Kind habe ich gemerkt, dass wir immer mal wieder Themen hatten bezüglich des Aufenthalts an sich. Aber das Thema Nationalitäten und Staatsangehörigkeit war ein 'Luxusproblem', weil es erst mal darum ging, Asyl zu bekommen", erinnert sich Christiana.

Welche Probleme ein Leben ohne offizielle Nationalität mit sich bringt, bemerkte Christiana erst später, als Schulkameradinnen von ihr in den Sommerferien in den Urlaub fuhren und sie selbst nicht reisen konnte, weil sie keinen Reisepass hat. Ihre Staatenlosigkeit war ihr zu diesem Zeitpunkt unangenehm gewesen, erzählt sie, sie hat sich anders gefühlt.

"Ich habe die Staatenlosigkeit mit sehr viel Scham verbunden und habe das schon fast aktiv verheimlicht."
Christiana über das Thema Staatenlosigkeit in ihrer Jugend

Mit ihrem Reiseausweis darf Christiana später auch in den Urlaub fahren. Doch das Dokument scheint nur wenigen Menschen bekannt zu sein, so ihre Erfahrung. "Reisen ist immer mit Angst verbunden", sagt sie. Denn immer wieder gerate sie aufgrund des Dokuments in unangenehme Situationen.

Christiana will staatenlosen Menschen helfen

Ein Schlüsselerlebnis hatte Christiana während einer gescheiterten Einreise nach Marokko. Schon im Vorfeld sei es schwierig gewesen, an Informationen für das Reisen als staatenloser Mensche zu kommen, erzählt die 27-Jährige. In das Land einreisen durfte sie schließlich nicht, denn dafür fehlte ihr ein Visum, das sie hätte beantragen müssen, so sagten es zumindest die Grenzbeamten am Flughafen. Sie war jedoch davon ausgegangen, dass sie als jemand, der in Deutschland lebt, ohne Visum einreisen darf.

Am Ende wartete sie rund 20 Stunden im Transitbereich des Flughafens – rund 17 Stunden davon weinend, wie sie sagt. "Ich habe das Gefühl, da ist wirklich alles rausgekommen, was ich zuvor zurückgehalten hatte", sagt Christiana. Dann wurde sie in das nächste Flugzeug zurück nach Deutschland gesetzt.

"Das war das erste Mal, wo ich gemerkt habe: Ok, das ist richtig scheiße und ich kann da überhaupt nichts für."
Christiana über ihre gescheiterte Einreise nach Marokko

Aus dieser Machtlosigkeit heraus beschloss Christiana, selbst aktiv zu werden. Sie gründete die Plattform statefree.world, auf der sich staatenlose Menschen weltweit vernetzen können. Ihre eigene Staatenlosigkeit hat sie inzwischen als Teil von sich akzeptiert. Sie definiere sich mehr über ihre Familie, ihre Freundinnen und Freunde, ihre Interessen und ihren Charakter denn über ihre fehlende Zugehörigkeit zu einem Land.

"Die Staatenlosigkeit ist für mich ein Teil meiner Identität, aber ich sehe sie nicht als den Kern meiner Identität."
Christiana über den Zusammenhang von Identität und Herkunft

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