Zwitter in der Anemone

Das oberste Ziel der Clownfisch-Männchen: zum Weibchen werden

Clownfische sehen ziemlich putzig aus. Tatsächlich geht es bei ihnen allerdings ziemlich aggressiv zu: Denn die kleinen Riffbewohner leben in knallhart hierarchisch strukturierten Männergruppen - mit einem Weibchen an der Spitze.

Die bunten Clownfische leben in hierarchisch strukturierten Gruppen von bis zu acht Tieren. Es gibt immer nur ein Weibchen, eine Matriarchin, die das Kommando hat. Unter den Männchen besteht eine nach Größe gestaffelte Rangordnung: Nur das größte Männchen darf mit dem Weibchen Sex haben und ist damit für die Fortpflanzung verantwortlich.

Für die anderen Männchen ist das kein Spaß: Ihr Wachstum und auch ihre Fruchtbarkeit wird durch ständige Aggressionen des ranghöchsten Paars unterdrückt. Erst wenn ihre Manneskraft tatsächlich gebraucht wird, dürfen sie sie auch ausleben. Geduld zahlt sich aus: Mit etwas Glück kommen auch sie irgendwann an die Reihe.

Beförderung zum Clownfisch-Weibchen

Denn wenn das Weibchen stirbt, der kleine Clownfischschwarm also plötzlich kopflos ist, bekommt das größte Männchen eine Beförderung: Es verwandelt sich in ein Weibchen und übernimmt die Chefrolle. Und das nächstgrößere Männchen wird zum Liebhaber des ehemaligen Konkurrenten. Endlich darf es sich um die Fortpflanzung kümmern.

"Clownfische können das jeweilige Geschlecht wie mit einem Lichtschalter an- und ausschalten. Ein Geschlechtswechsel stellt für sie also überhaupt kein Problem dar."
Mario Ludwig, Biologe

Clownfische sind also Zwitter, genauer: Sukzedanzwitter. Das heißt, sie haben männliche und weibliche Geschlechtsorgane - aber sie benutzen sie wie bei Zwittern sonst üblich nicht gleichzeitig.

"Clownfische können das jeweilige Geschlecht wie mit einem Lichtschalter an- und ausschalten", erklärt Deutschlandfunk-Nova-Biologe Mario Ludwig. "Ein Geschlechtswechsel stellt für sie also überhaupt kein Problem dar."

Sicher in der Seeanemone

Zu Beginn ihres Lebens ist also jeder Clownfisch erstmal männlich - und steigt vielleicht irgendwann so weit in der Hierarchie auf, um ein Weibchen zu werden.

Für die Clownfische ist das die perfekte Strategie: So müssen sie theoretisch niemals ihre schützende, mit giftigen Nesselzellen gespickte Anemone verlassen, eine Art Seerose.

Und auch für die Seeanemone ist das eine gute Sache: Die Clownfische verteidigen die Pflanze - also ihr Zuhause - gegen Fressfeinde wie Feilenfische. Außerdem halten die Clownfische die Tentakel der Anemone sauber, versorgen sie durch ihren Kot mit Nährstoffen und fächeln ihr sauerstoffreiches Wasser zu.