Das Clubssterben in Deutschland ist keine gefühlte Wahrheit, sondern Realität. Das belegen Zahlen. Gründe sind der demografische Wandel, aber auch hohe Kosten und der Kampf um DJs.

Laut Statistischem Bundesamt gab es im Jahr 2010 in Deutschland noch 1900 umsatzsteuerpflichtige Diskotheken und Tanzlokale - zuletzt waren es nur noch 1550. Das sind 18 Prozent weniger. 

Aber warum machen die Clubs dicht? Geht keiner mehr aus? Alle auf der Couch vor Netflix? 

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Laut Bundesverband deutscher Diskotheken und Tanzbetriebe (BDT) gehen jedes Wochenende circa eine Million Menschen aus - auch in Clubs. Aber es sind immer weniger Menschen um die 20 - einfach weil es davon immer weniger gibt - Stichwort demografischer Wandel. Dafür steigt die Zahl der Ü40-Parties, heißt es. Gerade auf dem Land. 

Bekannte DJs ziehen Publikum - sind aber teuer

In der Szene heißt es: Die Ansprüche des Publikums haben sich verändert. Wer heute ausgeht, möchte Events, sagt der BDT. Gut laufen Parties mit bekannten DJs, weiß auch Tobias Wicht. Er betreibt das Butan in Wuppertal. Auch er wird bald schließen - nach 20 Jahren -, weil er fürchtet, bald nicht mehr sicher kalkulieren zu können. Künstlergagen von über 100.000 Euro kann er sich schlicht nicht leisten. 

"Wenn die Leute Künstler XY bei mir sehen wollen, lasse ich nichts unversucht, den zu bekommen. Gagen bis 50.000 Euro habe ich schon ein paar Mal bezahlt."
Tobias Wicht, betreibt den Club Butan in Wuppertal

Hohe Gagen, steigende Mieten und Personalkosten plus Gema-Gebühren - das alles zusammen können sich Betreiber immer häufiger nicht mehr leisten. 

Clubs sollten als Kulturstätten begriffen werden

Wirtschaftsgeograf Johannes Glückler von der Uni Heidelberg fordert die Politik zum Handeln auf. Er hat das Clubsterben für die Stadt Heidelberg untersucht und kritisiert, dass Diskotheken vor dem Gesetz nur als Vergnügungsstätten gelten. Das Gesetz erkenne gar nicht an, dass Clubs ja auch kulturell wichtig sind - ähnlich wie Theater oder Opernhäuser, sagt er. Er wünscht sich mehr Förderung von den jeweiligen Kommunen.

"Es braucht eine Debatte darüber, ob diese Jugend- und Musikkultur, die in Clubs angeboten wird, nicht öffentlicher Unterstützung und Förderung bedarf.".
Johannes Glückler, Wirtschaftsgeograf an der Uni Heidelberg

Johannes Glückler glaubt, dass auch die Städte selbst davon profitieren würden, wenn sie ihre Clubs finanziell unterstützen. Denn von einem lebendigen Nachtleben würden alle profitieren. 

Ein anderer Aspekt seien die gesetzlichen Rahmenbedingungen, sagt er. Denn viele Diskotheken bekommen wegen des Lärms Probleme mit Anwohnern. Manchen wird die Lizenz entzogen. Auch hier könnte man sicher manche Regelung besser machen.

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