In mehreren deutschen Universitätsstädten gibt es heute Demonstrationen. Die Studierende fordern mehr finanzielle Unterstützung von der Politik. In der Corona-Krise fühlen sie sich im Stich gelassen.

Die Politik sei viel zu spät auf die Situation der Studierenden eingegangen und habe zu lange gebraucht, um Corona-Hilfen auf den Weg zu bringen. Das berichtet unser Reporter Martin Schütz über den Unmut vieler Studierenden in Deutschland. Die Hilfsgelder, die es geben würde, seien aus ihrer Sicht auch viel zu niedrig angesetzt.

"Der Vorwurf an die Bundesregierung ist, dass sie sehr lange gebraucht habe, um Corona-Hilfen auf den Weg zu bringen, die dann aus Sicht der Studierenden auch noch zu niedrig sind."
Martin Schütz, Deutschlandfunk Nova

Darum wollen Studierende unter anderem in Hannover, Wiesbaden und Mainz, aber auch vor dem Bundesbildungsministerium in Bonn protestieren. Konkret geht es dabei um zwei Hilfsangebote, mit denen Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) Studierenden helfen will: einen Studienkredit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und Zuschüsse, die über die Studierendenwerke verteilt werden. Wer aufgrund des neuartigen Coronavirus in eine Notlage geraten ist, soll aus dem Zuschuss 500 Euro pro Monat bekommen – und zwar für die Monate Juni, Juli und August.

Studierende in Geldnot

Die Studierenden kritisieren auch die Höhe der Hilfsgelder. Alleine für die Miete zahlen sie im Schnitt rund 323 Euro Miete pro Monat. Für den Zeitraum März, dem Beginn der Coronakrise, bis August komme da eine Durchschnittsmiete von ungefähr 1.900 Euro zusammen, so Martin. Die Hilfsgelder in Höhe von 1.500 Euro decken da nicht mal die Miete.

"Wer also von März bis August genau diese Durchschnittsmiete zahlen muss, gibt bis Ende August mehr als 1.900 Euro aus. Die 1.500 Euro Hilfe decken in vielen Fällen nicht mal die Miete, so der Vorwurf."
Martin Schütz, Deutschlandfunk Nova

In Städten wie Heidelberg, München, Stuttgart, Düsseldorf oder Hamburg, dürften die Durchschnittsmieten für Studierende sogar noch höher ausfallen, sagt Martin. Hinzu kämen noch Kosten für Lebensmittel und Lernmaterialien zum Beispiel. Zwar hätten Studierende auch die Möglichkeit, einen Kredit aufzunehmen, doch dieser müsse zurückgezahlt werden. Und bereits ohne Coronakrise stehen viele Studierende finanziell auf wackligen Beinen.

Studierendenwerke sprechen von Existenzbedrohung

Das Deutsche Studierendenwerk geht davon aus, dass rund 80 Prozent der Studierenden jobben, um das Studium komplett oder zumindest in Teilen zu finanzieren. Und weil es eben Nebenjobs sind, bekämen Studierende bisher keine andere Hilfe, sagt Achim Meyer auf der Heyder, der Geschäftsführer des deutschen Studierendenwerks.

"Für Studierende, die sich ihr Studium im Wesentlichen über Erwerbsarbeit finanzieren müssen, gibt es bei Jobverlust bislang keine Lösung."
Achim Meyer auf der Heyder, Geschäftsführer des deutschen Studierendenwerks.

Einige Studierendenwerke weisen daher darauf hin, dass derzeit viele Existenzen bedroht seien. Allerdings haben Studierende im vergangenen Jahr rund 900 Millionen Euro an Bafög-Hilfe nicht abgerufen. Das könnte ausgeschüttet werden, ohne irgendwo neues Geld aufzutreiben.