Amanda Todd wird über Jahre hinweg im Netz und in der Schule gemobbt. Das erzählt die 15-Jährige auf Youtube und bringt sich später um. Das war 2012. Die Kanadierin löste eine Diskussion aus. Bis heute bleibt die Frage: Wie kann das sein? Wieso hilft niemand?

Das wollten auch Wissenschaftler der Ohio State University wissen, die dafür über 200 College-Studenten in einem Chatroom beobachtet haben. Die Studenten wussten, dass sie Teil eines Experiments sind, aber nicht, dass es um Cybermobbing geht.

Während die Studenten chatteten, wurde einer ihrer Kommilitonen übelst gemobbt. Und wie reagierten die anderen? Die meisten gar nicht. Nur 10 Prozent griffen ein: Davon schrieb die Mehrheit direkt den an Täter. Sie versuchten, ihn zu stoppen. Nur wenige nahmen direkt mit dem Opfer Kontakt auf und boten ihre Hilfe an.

Und danach? Viele der Studenten gaben zu, ein schlechtes Gewissen zu haben. Sie hätten gerne etwas gegen das Mobbing gemacht, wussten aber nicht was. Immerhin: Ein Großteil reagierte zumindest unterbewusst, denn etwa 70 Prozent bewerteten den Chatroom später als schlecht. Die beste Hilfe ist, das Opfer direkt anzuschreiben und Hilfe anzubieten. Und natürlich das Mobbing melden.

Quälen im Netz

Mobbing - also Schikane und Diskriminierung - gibt es natürlich auch in der analogen Welt. Doch im Netz ist es möglich, anonymer vorzugehen. Beleidigungen oder Drohungen gegen Mitstudenten oder Kollegen können auch außerhalb des Netzes über anonyme Nachrichten verbreitet werden. Aber das ist viel komplizierter. Deshalb spricht man auch zunehmend von Cyberbullying, weil es sich vom klassischen Mobbing eben etwas unterscheidet.

Das Bündnis gegen Cybermobbing hat im November 2013 über 6000 Menschen befragt, die über 18 Jahre oder älter waren. 28 Prozent waren schon einmal Opfer von Mobbing und 8 Prozent Opfer von Cybermobbing. Frauen sind häufiger betroffen. Fast die Hälfte der Opfer von Mobbing und Cybermobbing klagt über Persönlichkeitsveränderungen und Depressionen. Bislang gibt es vor allem Untersuchungen zu Cybermobbing bei Kindern und Jugendlichen, obwohl das Problem alle betrifft.

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