Statt Wasser, Seife oder Desinfektionsmitteln hilft auch UV-Strahlung bei der Desinfektion. Gut geeignet ist die Technik insbesondere für Smartphones und Tablets. Eine Methode mit LEDs, entwickelt vom Fraunhofer Institut, soll speziell Krankenhäusern beim Reinigen ihrer elektronischen Geräte helfen.

In Zeiten der Corona-Pandemie sind Seife und Desinfektionsmittel mitunter Mangelware. Nach dem gründlichen Waschen der Hände haben viele oft wenige Augenblicke später wieder ihr Smartphone oder Tablet in der Hand. Wie werden elektronische Geräte frei von Viren und anderen Keimen?

Beruhigend: Handys und sonstige Displays, die im Alltag genutzt werden, sind keine Virenschleudern. Hier reicht feuchtes Wischen mit etwas Seife aus, um die Hygiene zu wahren.

In Krankenhäusern oder sonstigen klinischen Bereichen sieht das anders aus. Denn: Die Gesundheitskräfte benutzen für die verschiedensten Aufgaben immer öfter Tablets und müssen diese ordentlich desinfizieren – und das ist ein Problem.

Chemische Reinigungsmittel greifen Displays an

Einerseits sind elektronische Geräte nicht vollständig wasserdicht, andererseits kann der Einsatz von chemischen Mitteln die fettabweisende Oberfläche der Displays zerstören. Desinfektion funktioniert aber auch mit Licht. Genauer: mit UV-C-Licht. Darum hat das Team "Embeded Systems" am Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung (IOSB) unter der Leitung von Thomas Westerhoff eine Technik weiterentwickelt, mit der Mobiltelefone und Tablets mithilfe von Licht virenfrei werden.

"Wenn man Oberflächen mit UV-C-Licht intensiv bestrahlt, zerstört es Viren und Bakterien."
Sebastian Sonntag, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Das Prinzip: Das ultraviolette Licht beschädigt die DNA eines Virus, wenn es in einer gewissen Intensität mit UV-C-Licht bestrahlt wird, erklärt Martin Käßler vom Fraunhofer Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung (IOSB). Die Folge: Sie sind deaktiviert beziehungsweise unschädlich, weil sie keine Zellen mehr infizieren können.

Zum Desinfizieren von Trinkwasser ist diese Methode bereits seit einigen Jahren im Einsatz. Bisher kommt das UV-C-Licht aber aus Quecksilber-Dampflampen. Und das ist ein Problem, weil Quecksilber in Produktion und Entsorgung giftig ist. Zudem brauchen diese Dampflampen viel Energie und Platz.

UV-C-Licht in Form von LEDs: energiesparend und kompakt

Also hat das Fraunhofer-Institut die UV-C-Licht-Technik auf das nächste Level gebracht. Das Ergebnis: Ein erster Prototyp in Form eines viereckigen Kastens, der an eine Mikrowelle erinnert, wie Deutschlandfunk-Nova-Reporter Sebastian Sonntag findet. "In diese Art Mikrowelle kann man dann ein Handy oder ein Tablet reinlegen. Das wird beidseitig von UV-C-LEDs bestrahlt und ist nach einem kurzen Moment desinfiziert", erklärt er. Zusätzlich weiß das Gerät mithilfe eines NFC-Chips, wann es welches elektronische Gerät zuletzt gereinigt hat. Es führt also Protokoll.

"Der Prototyp des Fraunhofer Institus zielt vor allem auf den klinischen Bereich ab."
Sebastian Sonntag, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Was die Einsatzbereiche der UV-C-LED-Module angeht, ist auch noch Luft nach oben, wie Martin Käßler berichtet. Möglich ist zum Beispiel eine Installation in Getränkeabfüllanlagen. Dort können die LEDs die Deckel von Flaschen, wie Kronkorken, virenfrei machen. Und: Integriert im Wasserhahn funktionieren die Lichtmodule auch. Das könnte das Trinkwasser in Ländern mit einer schlechten Wasserqualität desinfizieren.