Eicheln sind richtige Kalorienbomben. Das wusste man bereits im 19. Jahrhundert und mästete die Schweine nicht in Massenanlagen, sondern frei im Wald mit Eicheln und Bucheckern. Jetzt gerät die Methode der Eichelmast wieder zunehmend in den Fokus.

Allein im letzten Jahr wurden in Deutschland 55 Millionen Schweine geschlachtet. Doch seit einigen Jahren gerät das Schweinefleisch nicht nur aufgrund der aktuellen Corona-Ausbrüche in Schlachthöfen, sondern auch wegen der schlechten Haltung der Tiere in den Massenbetrieben immer stärker in die Kritik. Auch die Qualität des Fleisches wird kritisiert: Es enthalte oft zu viel Fett und zu wenig Muskelmasse.

Eine natürliche Methode, die auch qualitativ hochwertigeres Fleisch hervorbringt, ist die Eichelmast. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts wurden in ganz Mitteleuropa Hausschweine in den Wald getrieben und durften sich dort von Eicheln, Bucheckern oder Kastanien ernähren.

Eicheln sind "Kalorienbomben"

Insbesondere Eicheln sind eine sehr gehaltvolle Nahrung für Schweine. Sie bestehen zu 40 Prozent aus Kohlenhydraten, zu 15 Prozent aus Fetten und zu rund sechs Prozent aus Proteinen. Deshalb konnten Schweine damals durch eine gezielte Eichelmast ausreichend angefüttert werden. Im Jahr 1815 gab es beispielsweise so viele Eicheln, dass in Preußen extra Soldaten angestellt wurden, um gleichzeitig hunderttausende Schweine zur Eichelmast in die sogenannten Hutewälder zu führen, erzählt Biologe Mario Ludwig.

"Eicheln sind richtige Kalorienbomben. Die kleinen Früchte sind reich an Kohlenhydraten, Fetten und Proteinen und daher äußerst nahrhaft."
Mario Ludwig, Biologe

Das mag nach einer aufwendigen Praxis klingen, jedoch waren andere mögliche Futtermittel wie Gerste, Weizen oder Kartoffeln auch für Menschen damals Teil einer wertvollen Nahrung. Also viel zu schade, um sie an die Schweine zu verfüttern, erzählt Mario Ludwig.

Seit dem 20. Jahrhundert galt es als altmodisch

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Eichelmast allerdings in fast allen europäischen Ländern eingestellt. Denn im Vergleich zur immer moderner werdenden Schweinemast in Großbetrieben, erschien die Eichelmast als "antiquiert und nicht effektiv genug", erklärt Mario Ludwig. Die Schweine legten deutlich langsamer an Gewicht zu, zudem lohnte sich der hohe Personalaufwand nicht mehr.

"Bei der Eichelmast nahmen die Schweine deutlich langsamer an Gewicht zu. Und zur Bewirtschaftung der Wälder war ein höherer Personalaufwand nötig."
Mario Ludwig, Biologe

Außerdem befürchtete man durch das Wühlen der Schweine viele Schäden im Wald und eine zu hohe Nitratbelastung durch den Kot und das Urin der Tiere.

Bis heute in Spanien und Portugal

Im großen und bekannten Rahmen wird die Eichelmast heute nur noch im Süden Spaniens und in Portugal betrieben. Dort gibt es die kleine, flinke und halbwilde Schweinerasse der Iberischen Schweine. Seit fast 2000 Jahren werden diese Schweine in die Kork- und Steineichenwälder getrieben, um sich dort von den Eicheln zu ernähren. Heraus kommt ein Schinken, der unter Experten als der leckerste Schinken der Welt gehandelt wird: Der Jamón Ibérico de Bellota.

Die Eichelmast in Franken

Doch auch in Deutschland gibt es erste Versuche, die Eichelmast in den dazu geeigneten Wäldern wieder einzuführen. So beispielsweise im fränkischen Iphofen. Nach vorangegangenen wissenschaftlichen Untersuchungen werden hier 50 Hektar Wald mit 200 Schweinen bewirtschaftet.

Zudem gibt es neue Erkenntnisse, inwiefern die Wühltätigkeit der Schweine dem Waldboden wirklich schadet: bei der Nutzung des Waldes mit einer überschaubaren Anzahl an Schweinen wie in Iphofen sind die Schäden eher gering. Zwar zerstören die Schweine hin und wieder ein paar junge Pflänzchen, durch das Verwühlen der Eicheln können aber gleichzeitig neue Eichen entstehen.

Hochwertiges Fleisch

Da sich die Schweine bei der Eichelmast - anders als in einer Massenhaltung - deutlich mehr bewegen, können sie eine gut durchblutete Muskulatur ausbilden, erklärt Mario Ludwig. Zusammen mit der abwechslungsreichen und vor allem natürlichen Ernährung können die Tiere so ein "kerniges Fleisch" bilden.

"Dadurch, dass die Schweine mehr laufen müssen, als in einer konventionellen Haltung, bilden sie eine gut durchblutete Muskulatur aus. Zusammen mit dem vielfältigeren natürlichen Futter, entsteht so ein kerniges Fleisch mit intramuskulärem Fett."
Mario Ludwig, Biologe

Das Fleisch der Eichelmastschweine wird deshalb von vielen Experten als wesentlich schmackhafter als herkömmliches Schweinefleisch anerkannt und kann deshalb auch deutlich teurer verkauft werden.