Arthur Landwehr ist Ostwestfale. Auch seine Eltern und Großeltern kommen von dort. Heute lebt der Journalist in den USA. Um mehr über seine Vorfahren herauszufinden, hat er einen der dort populären DNA-Tests gemacht: In ein Röhrchen spucken, abschicken, warten. Jetzt ist das Ergebnis da.

Vor dem Jahreswechsel hat Arthur Landwehr, unser Korrespondent in Washington, seinen DNA-Test abgeschickt und uns erzählt, was er sich davon verspricht. Jetzt hat Arthur die E-Mail mit den Ergebnissen bekommen. Und er weiß nun: Zu 51 Prozent kommt seine DNA aus einer Region, die als "germanisches Europa" bezeichnet wird – dazu gehören Deutschland, Holland, Belgien, Teile von Österreich und der Schweiz. 4 Prozent seiner DNA stammen laut Test aus Norwegen und Island und zu 45 Prozent aus England und Wales.

"Jetzt wundert es mich nicht mehr so sehr, dass es da in der Verwandtschaft ein paar mit Sommersprossen und rötlichen Haaren gibt."
Arthur Landwehr, ARD-Korrespondent in Washington

Viele Anbieter in den USA werben mit DNA-Selbsttests zur Ahnenforschung - sie heißen "Ancestry", "My Heritage" oder "23andMe". Solche Tests kosten um die 100 Dollar, manche auch weniger. Mit dem Test können sich Kunden auch auf bestimmte Krankheiten testen lassen.

Match in der Datenbank

Das kam für Arthur aber nicht in Frage. Er wählte einen Anbieter mit einer besonders großen Datenbank aus, über die er möglicherweise Verwandte finden kann, sofern sie dort registriert sind.

"Ich habe nicht nur was über die Vorfahren erfahren, sondern auch über 277 Cousinen und Cousins vierten Grades - und es werden jeden Tag mehr."
Arthur Landwehr, ARD-Korrespondent in Washington

Zusammen mit der Analyse seiner DNA hat Arthur eine Liste von 277 Menschen bekommen, sie könnten Cousinen und Cousins 4. Grades sein, sagt Arthur, denn bestimmte Genabschnitte stimmen überein.

Und jeden Tag kommen neue potenzielle Verwandte hinzu - nämlich immer dann, wenn sich neue Menschen testen lassen, ihre Daten übereinstimmen und sie sich in der Datenbank registrieren.

Kontaktaufnahme über den Anbieter

Eine Frau aus Missouri hat sich schon bei ihm gemeldet: Ihr Urgroßvater kommt aus dem selben Ort wie seine Mutter, offenbar sind die beiden auch weitläufig verwandt. Arthur findet das spannend und will dranbleiben an der Ahnenforschung – und so möglichst bald einige dieser entfernt verwandten Männer und Frauen treffen. Denn über den Test-Anbieter ist eine Kontaktaufnahme untereinander möglich.

Datenschutz ist ein großes Thema bei DNA-Tests

Ob seine Daten allerdings wirklich sicher sind, darüber macht sich Arthur auch Gedanken. "Was passiert denn eigentlich damit?", fragt er sich. "Diese DNA sagt ja eigentlich alles über mich, etwa die Gesundheit, auch die lässt sich analysieren."

Die Firmen beteuern zwar, sie würden ihre Daten sichern. Aber in der Vergangenheit gab es Fälle, in denen zum Beispiel die Polizei Zugriff auf Daten hatte. Einige Anbieter verkaufen ihre Daten auch an Dritte.

"Es hat in der Vergangenheit Fälle gegeben, da hat die Polizei beispielsweise Verbrechen aufgeklärt, indem sie genau auf diese Daten hat zugreifen dürfen."
Arthur Landwehr, ARD-Korrespondent in Washington

Überhaupt gibt es an den kommerziellen DNA-Tests zur Herkunftsanalyse viel Kritik. Zum einen, sagen manche Experten, sind die Ergebnisse beliebig und wenig aufschlussreich. Einzelne Anbieter kamen schon zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen - selbst bei eineiigen Zwillingen.

Zudem ist es nach deutschem Recht so, dass nur Ärzte medizinisch relevante Tests mit der DNA veranlassen dürfen. In anderen Ländern, etwa den USA, sind die Gesetze lockerer. Darum werden diese Tests dort auch häufiger gemacht.

Kleingedrucktes genau lesen

Wer einen solchen Test machen will, der sollte in jedem Fall ganz genau lesen, worauf er sich dabei einlässt, rät der Wissenschaftsjournalist Michael Stang. Denn sonst landet die eigene DNA ganz schnell im Datenpool der Pharmaindustrie.