DSL-Anbieter in Großbritannien dürfen nur noch mit DSL-Geschwindigkeiten werben, die mindestens der Hälfte der Kunden zur Verfügung stehen. In Deutschland sind die Bestimmungen ein anders. Trotzdem können wir uns gegen falsche Versprechen wehren.

Jeder kennt die Plakate und Anzeigen: Mit bis zu 500Mbit/s surfen. In England ist mit dieser Werbung jetzt Schluss: Die Advertising Standards Authority hat entschieden, dass DSL-Anbieter nur noch mit Werten werben dürfen, die auf Daten basieren.

Unser Reporter Johannes Döbbelt hat zum Thema DSL-Geschwindigkeiten recherchiert und herausgefunden, dass der Unterschied zwischen dem versprochenen Surf-Speed und dem tatsächlichen auch hierzulande oft ziemlich groß ist.

12 Prozent erreichen den Top-Wert

Die Bundesnetzagentur reguliert unter anderem den deutschen Online-Markt. Die Behörde hat sich das zuletzt für das vergangene Jahr angeschaut (Jahresbericht PDF).  Sowohl beim Internet zu Hause als auch im mobilem Internet ist die tatsächliche Geschwindigkeit meist niedriger als versprochen.

Die maximale Geschwindigkeit, die in der Werbung und im Vertag versprochen wird, liegt bei Festnetzanschlüssen bei bis zu 500 Mbit/s. Diesen Top-Wert - die Agentur nennt das "volle vermarktete Datenübertragungsrate" - haben nur 12 Prozent der Nutzer erreicht. Und selbst wenn man die Latte eine Stufe niedriger legt und guckt, wie viele Kunden mindestens die Hälfte des versprochenen Maximal-Speeds erreicht haben, dann waren das auch nur gut 70 Prozent (Jahresbericht, S.72).

Mobil ist noch lahmer

Beim mobilen Internet ist die Lage noch schlechter. Die Hälfte des versprochenen Maximum-Speeds haben in diesem Bereich nur knapp 19 Prozent aller Nutzer erreicht. Die volle Maximal-Geschwindigkeit erreichte fast keiner.

Unterschiede in der Surfgeschwindigkeit gibt es auch bei der Tageszeit, in der ihr surft. Das hat die Agentur allerdings nur bei den Festnetzanschlüssen beobachtet. Da ist die Geschwindigkeit abends langsamer als sonst, wenn auch viele Nachbarn online sind.

Wichtige Produktinformationen

Den Speed eines Providers kann man ziemlich einfach prüfen. Ihr besucht die Webseite des Providers (O2, Telekom, Vodafone) und wählt den Tarif, der euch interessiert. Da steht meist unter dem Tarif das Stichwort Produktinformationsblatt.  Das müssen die Provider seit 2017 immer mit angeben.

"In diesem Blatt sind die maximale, die normalerweise zur Verfügung stehende und die minimale Datenübertragungsrate im Download und im Upload anzugeben."
Fiete Wulff, Pressesprecher der Bundesnetzagentur

Bei O2 steht zum Beispiel beim DSL-Vertrag mit bis zu 25 Mbit/s: 

  • Download: maximal 25 Mbit/s, normalerweise zur Verfügung stehend 10 Mbit, minimal 6 Mbit/s
  • Upload: maximal 5Mbit/s, normalerweise zur Verfügung stehend 1 Mbit, minimal 0,7 Mbit/s


Das ist jetzt also schon deutlich transparenter als früher, als die Anschlüsse nur mit der Maximal-Geschwindigkeit vermarktet werden konnten. Wie schnell der Anschluss wirklich ist, lässt sich auf Seiten wie breitbandmessung.de - von der Bundesnetzagentur -  oder bei speedtest.net testen.

Allerdings ist der Geschwindigkeitstest dort nur eine Momentaufnahme. Hinzu kommt: Man sollte die Geschwindigkeit mit dem LAN-Kabel testen und nicht über WLAN messen, weil dabei der Speed schwanken kann. 

Die Bundesnetzagentur empfiehlt sogar, insgesamt 20 Messungen an mindestens zwei unterschiedlichen Tagen - dann erst bekommt man verlässliche Werte. Auch die Geschwindigkeit des mobilen Internets beim Handy lässt sich messen - mit den entsprechenden Apps.

"Wir empfehlen Kunden, dass sie im ersten Schritt auf den Anbieter zugehen. Möglich ist auch, sich an Verbraucherzentralen zu wenden oder das mit einem Anwalt zu klären."
Fiete Wulff, Pressesprecher der Bundesnetzagentur

Wenn das Netz zu langsam ist

Die Ergebnisse könnt ihr dann mit dem vergleichen, was die Anbieter im Produktinformationsblatt angegeben haben. Wenn euer Internet bei den Messungen deutlich langsamer ist, als es eigentlich sein sollte, dann empfiehlt die Bundesnetzagentur:

  • Anbieter kontaktieren
  • mit Verbraucherzentralen sprechen
  • einen Anwalt einschalten - als letztes Mittel

Der Provider sollte euch dann entweder einen günstigeren Vertrag anbieten - oder die Möglichkeit geben, vorzeitig zu kündigen.

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