Der E-Scooter-Trend aus den USA wird in diesem Jahr wohl auch Deutschland erreichen. Viele Start-ups wollen mit Sharing-Angeboten für Innenstädte durchstarten. Jürgen Resch von der Deutschen Umwelthilfe hat große Zweifel an dem Konzept.

"Wenn E-Scooter bald Autos ersetzen würden, wäre das ganz wunderbar", sagt Jürgen Resch. Er ist Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe und sehr an verbesserten Luftwerten in unseren Innenstädten interessiert. Dass E-Scooter in absehbarer Zeit dazu beitragen werden, glaubt er aber nicht. 

Jürgen Resch zweifelt an den Konzepten diverser Start-ups, die in diesem Jahr mit Leih-Angeboten richtig durchstarten wollen. "Mir fehlt die Fantasie, wie die zusätzliche Technologie der E-Scooter – die man irgendwo in der Stadt verteilt – tatsächlich genutzt wird", sagt er.

"Ich zweifle daran, dass wir die Städte zustellen können, entweder mit Carsharingautos oder mit undurchdachten Fahrrad- oder eben E-Scooter-Konzepten."
Jürgen Resch, Bundespräsident der Deutschen Umwelthilfe

E-Scooter haben schlechte Umweltbilanz

Jürgen Reschs erster Kritikpunkt an den E-Scootern ist ihre Umweltbilanz. Die sei schlecht. Aus den USA wisse er, dass die Roller im Schnitt drei Monate halten und dann kaputtgehen. "Dann werden die weggeschmissen und verschrottet", sagt er. Auch für die Batterien gebe es derzeit keine Recycling-Möglichkeit. 

Weitere Kritikpunkte:

  • Auf E-Scootern kann man nichts transportieren, sie eignen sich also nicht für den Weg zur Arbeit - im Gegensatz zum Fahrrad.
  • Das Aufladen muss sichergestellt werden. Teils werden die Roller abends von Autos mit Verbrennungsmotor eingesammelt.
  • Ladestationen fehlen. Außerdem brauchen die Akkus extrem lange um sich aufzuladen. 

Selbst wenn es schnell-ladende E-Scooter geben würde: Niemand habe die Zeit, so Jürgen Resch, sich eine halbe Stunde neben den Roller zu stellen, weil die Akkus aufgeladen werden müssen.

Viele wollen den Trend nicht verpassen

Mit Blick auf den E-Scootertrend im kommenden Sommer begründet der Bundespräsident der Deutschen Umwelthilfe seine Skepsis: "Die dahinter stehende Logistik ist mir nicht klar und sie wird auch von den potenziellen Betreibern nicht erläutert. 

"Es ist mal wieder so ein Risiko-Kapital-Ansatz, bei dem man versucht, den neuen Trend nicht zu verpassen und sich an die Spitze zu stellen."
Jürgen Resch, Bundespräsident der Deutschen Umwelthilfe

Während Start-up-Gründer wie Oliver Risse, der E-Tretroller herstellt und vertreibt, daran glauben, dass die E-Scooter Innenstädte entlasten können, weil sie als Alternative zum Auto genutzt werden, plädiert Jürgen Resch dafür, den öffentlichen Personennahverkehr auszubauen und die Infrastruktur für Fahrräder zu verbessern. 

"Was wir für unsere Städte brauchen, sind verlässliche Verkehrsträger. Und das sind solche E-Tretroller nicht." Jürgen Resch empfiehlt den Städten, sich lieber an Verkehrskonzepten wie in den Niederlanden oder Dänemark zu orientieren, statt an Trends aus den USA. 

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