Als in Deutschland die ersten hippen Menschen mit Kickboards die Bürgersteige unsicher machten, gab es einen Riesenaufschrei. Die Roller seien eine Gefahr für Oma Gertrude und Co. Jetzt kündigt sich der neuste Trend aus Kalifornien an: elektrische Kickboards, sogenannte E-Scooter.

  • Elektrische Kickboards sind die gleichen Roller, die wir als Kickboards kennen, nur eben mit Elektro-Antrieb.
  • Optisch sehen sie recht ähnlich aus, sind aber deutlich schwerer: Wegen des eingebauten Motors wiegen sie ca. 10 kg. 
  • Ihr könnt damit etwa 25 km/h schnell fahren.
"Das Praktische ist, man muss sich so ein Ding nicht mal kaufen. In San Francisco lassen sich die Dinger überall mieten."
Martina Schulte, Deutschlandfunk Nova Netzreporterin

Wie bei einem Mietfahrrad oder -auto starten die Kalifornier die Miete einfach mit ihrem Smartphone per App. Sie haben dabei die Qual der Wahl zwischen drei verschiedenen Anbietern: 

"Bird, Spin und Limebike wollen alle das ganz große Geschäft machen und von Kalifornien aus die Welt erobern."
Martina Schulte, Deutschlandfunk Nova Netzreporterin

Bei den meisten Anbietern kostet eine halbe Stunde gerade mal einen Dollar. Das erklärt auch, warum das Konzept so gut angenommen wird. 

Noch ist das Ganze spottbillig

Wenn man den Roller nicht mehr braucht, lässt man ihn einfach irgendwo stehen und der nächste Interessent kann ihn sich ausleihen. Doch genau das ist auch ein Problem, über das sich in San Francisco gerade viele Anwohner aufregen. 

"Die Stadt ist regelrecht mit den Dingern zugemüllt. Überall stehen oder liegen sie rum."
Martina Schulte, Deutschlandfunk Nova Netzreporterin

Das Ordnungsamt von San Francisco erreichen zur Zeit täglich zahlreiche Beschwerden, schreibt cnet.

  • weil wieder irgendein Hipster mit 25 km/h den Bürgersteig runtergebrettert ist
  • weil sich jemand den Zeh gebrochen hat, weil er über einen herumliegenden Scooter gefallen ist 
  • weil die Schaufenster von Geschäften zugestellt werden

Fast and Furious

Wie in der Techszene so üblich, haben die Firmen einfach losgelegt und nicht groß auf eine Erlaubnis gewartet, als sie im März in San Francisco und Los Angeles einfielen, berichtet Martina Schulte.

"Man setzt auf Disruption - genau wie Uber, Lyft oder Airbnb."

Die Scooter-Firmen zeigen sich erstaunt wegen der teilweise schlechten Presse: Vertreter der drei Firmen sagten, sie seien doch die Guten, schließlich versuchten sie doch, das Problem der letzten Meile im öffentlichen Nahverkehr umweltfreundlich zu lösen – ohne Smog und ohne Stau. 

Die paar letzten Meter zu laufen, ist nach Aussage des Bird-CEO out. Er und die andere E-Scooter-Bros haben bereits 225 Millionen Dollar an Risikokapital zusammengekratzt, um so eine Art Uber für E-Scooter zu werden. 

Aufladen wird belohnt

Die E-Scooter müssen abends aufgesammelt und aufgeladen werden. Wer das bei sich zu Hause macht, bekommt dafür sechs Dollar. Ob das eine faire Bezahlung ist, wird von einigen US-Medien allerdings bezweifelt. 

Den Scooter-Bossen scheint das aber erst mal egal zu sein – sie haben ihr Geschäft jetzt auch nach Venice, San Diego, San Jose, Austin und Washington D.C. ausgeweitet.

"Bald nehmen sie bestimmt auch Kurs auf den Rest der Welt."
Martina Schulte, Deutschlandfunk Nova Netzreporterin

Wie erfolgreich sie damit sind, bleibt abzuwarten: In Santa Monica laufen gerade neun Gerichtsverfahren gegen Bird, weil die Firma keine Lizenz hat und zahlreiche Regeln missachtet. Vielleicht ist es mit dem schönen Scooter-Business auch sehr schnell wieder zu Ende.

Vorsicht, Missverständnis-Potential: "E-Scooter" kann man schon jetzt zum Beispiel auch in Berlin und München ausleihen – in diesen Fällen handelt es sich aber um E-Mopeds und nicht um E-Roller bzw. E-Kickboards.

Mehr zum Thema: