Softwareentwickler Mark Müller möchte Menschen schnell und direkt helfen. Viele unterstützen ihn bei seinen Crowdfunding-Aktionen, zu denen er auf Twitter aufruft. Doch Kritik gibt es auch. Von Intransparenz und Alleingängen ist die Rede.

Unbürokratisch und direkt an bedürftige Mitmenschen spenden. Das ist die Idee hinter der Crowdfunding-Aktion #EineMieteWeniger. Dahinter steckt der 40-jährige Softwareentwickler Mark Müller aus Mannheim, auf Twitter bekannt unter @markmueller1979.

Dort hat er im August 2018 dazu aufgerufen, schnell und unkompliziert Spenden für Menschen zu sammeln, die beispielsweise ihre Miete nicht alleine stemmen können. Alle, die gerne helfen wollten, konnten Mark Geld überweisen, damit er es an die Empfängerinnen und Empfänger weiterleitet.

15 Spendenaktionen seien laut Mark so schon umgesetzt worden, die mittlerweile nicht mehr nur Menschen mit Mietengpässen unter die Arme greift, sondern auch für andere private und gemeinnützige Anliegen da ist.

Spenden auf Vertrauensbasis

Unkompliziert und direkt bedeutet im Fall dieser Spendenaktion aber auch: Hinter Mark Müller steht weder eine gemeinnützige Stiftung, noch ein großes Team, das ihn etwa bei der Recherche der Spendenempfänger unterstützen kann. Um die Crowdfunding-Aktionen kümmert er sich neben seinem eigentlichen Job als Softwareentwickler. Inzwischen habe Mark eine weitere Person, die ihm bei der Organisation der Aufrufe unterstützt.

Sein Crowdfunding-Konzept beruht auf gegenseitigem Vertrauen, sagt er. Er sei sich bewusst, dass dieser Standpunkt als naiv betrachte werden könne. Die teilweise hohen Spendengelder habe er bisher beispielsweise immer über Paypal erhalten. Seine Philosophie lautet trotzdem weiterhin: Wer helfen möchte, kann sich gerne beteiligen, wer es nicht will, soll es lassen, so Mark.

"Hinter Mark Müller steht kein riesiges Backoffice, keine Stiftung oder Ähnliches. Er sagt, er helfe nebenbei gerne und direkt. Das gehe aber nur, wenn ihm Menschen vertrauen und andersherum."
Martin Schütz, Deutschlandfunk-Nova-Reporter hat mir Mark Müller gesprochen

Transparenz möchte er über seinen zweiten Twitter-Account @mark_nachweise schaffen. Hier hält er Spendennachweise in Form von Rechnungen oder Dankesschreiben fest. Sind die Helferinnen und Helfer davon überzeugt, können sie sich an der Crowdfunding-Aktion beteiligen.

Betrüger melden sich auch

Eine Spendenaktion auf der Basis von Vertrauen kann allerdings auch anfällig für Kriminelle und Betrügerinnen sein. In der Vergangenheit hat sich die Geschichte eines vermeintlich Betroffenen mindestens einmal als falsch dargestellt. Der Softwareentwickler ist auf einen Betrüger reingefallen. Dieser habe Mark kontaktiert, weil er sich die Kosten für die angebliche Beerdigung seiner verstorbenen Frau als alleinerziehender Vater einer kleinen Tochter nicht leisten könne.

Nachdem Mark eine Sterbeurkunde und die Rechnung eines Bestatters vom angeblichen Witwer erhalten hat, postete er die Dokumente zusammen mit der Geschichte des Mannes auf Twitter. Viele Menschen wollten dem Witwer helfen und so kam eine Spendensumme von über 7400 Euro zusammen. Mark überwies dem vermeintlichen Vater also das Geld aus der Crowdfunktion-Aktion. Danach stellte sich allerdings heraus: Die Unterlagen sind gefälscht. Und das Geld der Helferinnen und Helfer war weg.

Im Mittelpunkt der Kritik auf Social Media

Bei einem anderen Aufruf sollten Spenden für Laptops gesammelt werden, um Schülerinnen aus Mannheim ohne eigenes Endgerät während des Homeschoolings zu helfen. Stellvertretend für die Schüler sollte das Medienzentrum der Stadt die Laptops erhalten.

Nachdem bei dem Aufruf mehr Geld zusammenkam als ursprünglich benötigt, entschied Mark Müller, mit dem restlichen Spendengeld weitere Computer für andere Träger anzuschaffen.

Spender kritisieren Alleingänge

Der Vorwurf der Spenderinnen und Spender: Mark habe seine Entscheidung nicht transparent gemacht, es habe vorher keine Rücksprache mit den Geldgebern gegeben. Zumal er mit einigen der Empfängerinnen auch geschäftliche Beziehungen hatte. Es stand der Vorwurf im Raum, die Laptops gebe es nicht. Auf Anfrage von Deutschlandfunk Nova hat zumindest die Stadt Mannheim den Erhalt der Laptops bestätigt und sich für die Zusammenarbeit bedankt.

Geschichten wie diese haben auf Social Media allerdings eine Welle der Kritik ausgelöst – gegen die Philosophie der Crowdfunding-Aktion und an Mark Müller selbst.

Direkt und unbürokratisch vs. Kosten für Expertise

Klar ist: Marks Einsatz für seine Spendenaktion ist nicht die Arbeit einer klassischen Spendenorganisation. Das behauptet er auch nicht. Die Frage ist, was Spendende letztendlich bevorzugen, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Martin Schütz.

Einerseits sei die Crowdfunding-Aktion eine Möglichkeit, Gelder direkt und ungefiltert an Betroffene weiterzuleiten, ohne Teile der Spenden für die Miete eines Büros oder Mitarbeitende auszugeben. Andererseits haben Spendenorganisationen das entsprechende Know-how und dokumentieren ihre Ein- und Ausgaben in ihren Jahresberichten, was für mehr Transparenz sorgen könnte.