Mark ist 38 und auf Twitter unter @markmueller1979 erreichbar. Als er die Aktion #EineMieteWeniger startet, folgen ihm dort gerade mal 130 andere User. Dass seine Crowdfunding-Aktion so durch die Decke geht, hätte er niemals gedacht.

Urlaub. Eigentlich eine ganz normale Sache in den Sommerferien. Die Großstädte sind leer, auf den Autobahnen ist weniger Stau, und auch unser Lieblingsitaliener um die Ecke nimmt sich eine kleine Auszeit. Auf Twitter eröffnet sich Mark Müller eine andere Welt. Dort liest er von Menschen, für die so etwas wie Urlaub ein Wunschtraum ist, weil sie sich schon kaum die nächste Miete leisten können.

"Es war doch recht auffällig, wie viele Leute sich jetzt in der Urlaubszeit überhaupt gar keinen Urlaub leisten können. Das hat mir zu denken gegeben."
Mark Müller, 38, hat das Hashtag #EineMieteWeniger initiiert

Mark überlegt, wie er helfen kann. Einfach jemandem den Urlaub bezahlen, ist gar nicht so einfach, sagt er. Und er stellt sich auch die Frage, wie gerecht es ist, Urlaubswünsche zu erfüllen. Während der eine gerne mit dem Kind an den Bodensee möchte, will eine andere Person vielleicht endlich mal mit Kind nach Mallorca. Am Ende entscheidet er sich, für drei Menschen die Miete zu bezahlen.

"Miete ist etwas, das wir alle zahlen. Die meisten von uns zumindest. Vielleicht macht man es daran fest."
Mark Müller, 38, Initiator des Hashtags #EineMieteWeniger

In einem langen Thread erklärt er via Twitter seine Idee. Er bittet zum einen Menschen, die Unterstützung benötigen, sich bei ihm zu melden. Zum anderen fragt er, ob sich nicht weitere Twitternutzer an der Aktion beteiligen wollen. 

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Schwieriger Auswahlprozess

Innerhalb von drei Tagen sichert Mark zusammen mit fünf weiteren Helfern zehn Mieten. Drei davon übernimmt er selbst. Aber wie kann das Geld gerecht verteilt werden? Wie entscheidet man, wer das Geld am nötigsten braucht? Eine ziemliche schwierige Entscheidung, findet Mark. Denn es melden sich unglaublich viele Menschen bei ihm. Unter denen, die gerne eine Miete haben möchten, macht er drei Gruppen aus:

  • Menschen mit Behinderungen oder psychischen oder körperlichen Erkrankungen
  • Empfänger von Arbeitslosengeld II
  • Alleinerziehende Mütter

Allein aus der ersten Gruppe melden sich fast 200 Personen bei Mark. Die größte Gruppe aber waren alleinerziehende Mütter. Und manchmal trafen auch alle drei Kategorien auf eine Person zu.

"Da war dann genauso auch die unter Depressionen leidende, ALG II beziehende, alleinerziehende Mutter dabei."
Mark Müller, 38, Initiator des Hashtags #EineMieteWeniger

Zu vielen nimmt Mark schließlich persönlich Kontakt via Twitter auf und schaut sich die Profile genau an. Viele Personen haben sich auch gar nicht selber gemeldet, sondern wurden Mark von anderen Twitternutzern vorgeschlagen. 

"Ich hab mir einfach die Schicksale angeschaut und ein bisschen auf mein Bauchgefühl gehört: Wem wäre da einfach am meisten mit geholfen. Das lässt sich schwer greifen."
Mark Müller, 38, Initiator des Hashtags #EineMieteWeniger

Was Mark bei den Rückmeldungen feststellt: Häufig bekommt er keine langen Bettelbriefe, sondern eine nüchterne Darstellung der Lebenssituation. Viele schreiben dazu, dass ihnen die Miete helfen würde, aber sie auch verstehen könnten, dass vielleicht andere noch bedürftiger sind als sie selber. 

Wie es mit der Aktion weitergeht, weiß Mark noch nicht so genau. Er will das Ganze erst einmal ein bisschen auf sich wirken lassen. Aber die überwiegend positive Resonanz bestärkt ihn. Deshalb kann er sich durchaus vorstellen, das Ganze auch nochmal etwas größer aufzuziehen. 

"Es war ganz, ganz großartig, erleben zu dürfen, wie sehr sich Leute darüber freuen und wie sehr denen damit geholfen ist mit sowas, wie mal einen Monat die Miete nicht zahlen zu müssen."
Mark Müller, 38, Initiator des Hashtags #EineMieteWeniger

Den Erfolg seiner Aktion erklärt sich Mark übrigens durch die Anonymität auf Twitter. Viele der Unterstützer mussten sich nicht outen. Und auch viele der Bedürftigen mussten ihre Situation nicht öffentlich machen. Eine schnelle Möglichkeit, jemandem zu helfen, auch wenn man den Menschen dahinter gar nicht kennt, sagt Mark.

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