Bis zu 400 Milliarden Euro werden jedes Jahr in Deutschland vererbt oder verschenkt. Manchmal erben Kinder aber auch Schulden von ihren Eltern.

Der Vater von Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Nora Hespers hatte drei Ehefrauen und fünf Kinder. Sein Lebensmotto war: Nach mir die Sintflut. Das heißt, er hat mit voller Absicht Schulden gemacht, weil er wusste: Geld kann man nicht mit ins Grab nehmen. Reporterin Nora hat diese Schulden geerbt.

Komplizierte Erbschaft ohne Testament

Noras Vater hat kein Testament geschrieben. In diesem Falle tritt eine 6-Wochen-Regel in Kraft: Wir können ein Erbe, egal ob Schulden oder Gewinn, ausschlagen. Aber es gibt einen Haken: wir müssen die Frist einhalten. Von der hat Nora aber erst erfahren, als es fast zu spät war. 

"Meine größte Sorge waren aber gar nicht die Schulden. Ich hatte vor allem Angst, dass es über die Erbgeschichte einen riesen Krach gibt. Denn wo es ums Erben geht, da werden Menschen gierig."
Nora Hespers, Deutschlandfunk Nova

Noras Vater hat kein Testament geschrieben. Deshalb tritt die gesetzliche Erbfolge in Kraft. 50 Prozent gehen an den Ehepartner, die anderen 50 Prozent zu gleichen Teilen an die Kinder des Erblassers. Nur durch Zufall hat Nora von der Frist erfahren, als ihr vier Wochen nach dem Tod ihres Vaters eingefallen ist, dass sie sich mal informieren müsste, wie seine Finanzlage aussah. 

Erbe

Streit und Ärger ums Erbe

Zwei Wochen blieben Nora, um eine Kopie der Sterbeurkunde zu besorgen und Akteneinsicht zu nehmen - und das Erbe schließlich auszuschlagen. Dabei hätte Noras Vater ihr mit einem Testament viel Ärger ersparen können. Ein paar Anweisungen auf einem Zettel hätten gereicht, sagt Jura-Professorin Susanne Hähnchen. Nur handschriftlich muss es sein und mit Orts- und Datumsangabe unterschrieben werden. 

"Das Erbe, das automatisch anfällt mit dem Todesfall, muss man innerhalb von 6 Wochen grundsätzlich ausschlagen, wenn man nicht die Schulden erben möchte."

Noras größte Sorge war ein möglicher Streit. Dazu kann es kommen, sagt die Psychotherapeutin Ulrike Sckaer. Kinder haben oft das Gefühl, von ihren Eltern zu Lebzeiten nicht genug bekommen zu haben. Geld oder Zuwendungen stehen häufig auch für emotionale Zuwendungen. 

Klingt plausibel, findet Nora. Mit drei Ehefrauen und fünf Kindern entsteht schnell das Gefühl, zu kurz gekommen zu sein. Deshalb rät sie: "Regelt das mit euren Eltern. Und zwar zu Lebzeiten." Das erspart euch nicht nur Stress mit den Ämtern. Sondern vor allem mit euren Geschwistern.

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