Wenn andere Länder in Entwicklungsländern Bahnstrecken, Transportwege oder Kraftwerke finanzieren, hat das oft negative Folgen für die Umwelt und die indigene Bevölkerung dort. Die Finanzierung aus dem Westen und aus China ist wenig nachhaltig.

Um die Infrastruktur und die Lebensbedingungen in Entwicklungsländern zu verbessern, kommt das Geld für die Projekte vor Ort oft von Banken aus anderen Ländern. Die Weltbank ist zum Beispiel eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen und der größte Kreditgeber des Westens für Projekte in Entwicklungsländern.

Mittlerweile werden viele Projekte dieser Art auch von Banken aus China finanziert wie der China Development Bank und der China Exim-Bank. Sie sind die zwei größten Investitionsbanken des Landes.

Forschende der Boston University haben die Infrastrukturprojekte dieser beiden Banken jetzt auf die Frage hin untersucht, welche Folgen die Projekte haben für die Umwelt und die Menschen, die in den entsprechenden Regionen leben, die gefördert werden.

In ihrer Studie kommen sie zu dem Ergebnis, dass viele der Projekte ein Risiko für die Artenvielfalt und indigene Gruppen sind.

Viele Projekte in Schutzgebiete gebaut

Laut der Studie haben die zwei Banken in den vergangenen 13 Jahren in fast 900 Infrastrukturprojekte in Entwicklungsländern investiert. Danach hätten ein Drittel bis die Hälfte der Projekte Schutzgebiete betroffen; also Gegenden, die zum Beispiel gefährdeten Tierarten oder bestimmten Pflanzen Schutz bieten sollen.

Ein weiteres Viertel der Bauprojekte sei auf Land von Indigenen umgesetzt worden. Zudem hätten sich die Projekte auf ungefähr ein Viertel aller bedrohter Tierarten ausgewirkt.

Insgesamt haben die Forschenden Investitionen aus China in mehr als 90 Länder aufgelistet. Den Großteil ihrer Projekte würden die chinesischen Banken auf zehn Länder aufteilen: Angola, Russland, Venezuela, Pakistan, Brasilien, Ecuador, Indonesien, Iran, Turkmenistan und auch Argentinien.

Im Durchschnitt höheres Risiko durch chinesische Finanzierung

Die Daten von den chinesischen Banken haben die Forschenden wiederum mit den Projekten der Weltbank verglichen, um zu untersuchen, inwiefern sich die Projekte hinsichtlich ihres Risikos für die Umwelt und die indigene Bevölkerung unterscheiden.

Es zeigt sich: Die von den chinesischen Banken finanzierten Projekte waren im Durchschnitt deutlich riskanter für Umwelt und Indigene – wobei in den verschiedenen Bereichen unterschieden werden muss.

"Im Schnitt sind die chinesischen Projekte deutlich riskanter für Umwelt und Indigene. Wenn man sich die Studie genauer ansieht, zeigt sich aber, dass es je nach Bereich Unterschiede gibt."
Aglaia Dane, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Geht es um Projekt, die die Energieversorgung verbessern sollen, zeigt sich hier ein Unterschied zwischen den Projekten der Weltbank und denen der chinesischen Banken: Sind sie aus China finanziert, sind Umwelt und indigene Bevölkerung öfter von negativen Folgen betroffen.

Bei Projekten, die Transportwege betreffen, fallen die Unterschiede aber weg: Hier sind die Infrastrukturprojekte, die sowohl aus China als auch von der Weltbank finanziert werden, ähnlich riskant - zumal die Weltbank beispielsweise Agrarprojekte häufiger als China finanziert, die Indigene oder Schutzgebiete betreffen.

Forschende kritisieren Intransparenz

Mit den Entwicklungshilfeprojekte kommen also auch mögliche Risiken auf die Länder zu – unabhängig vom Geldgeber. Ähnlich wie viele andere Banken weltweit haben sich auch die chinesischen Banken Richtlinien für mehr Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Artenvielfalt gesetzt.

Allerdings sei hier oft wenig transparent, wie die Richtlinien für Infrastrukturprojekte in Entwicklungsländern konkret aussehen und wie diese umgesetzt werden, so die Forschenden.

Eine ähnliche Kritik von Umweltschutzorganisationen richtet sich allerdings auch gegen die Weltbank.