Die Nutria heißt ja auch Biberratte. Vielleicht ist die Vorstellung, das Fleisch dieses Nagetiers zu essen, deshalb so eklig? Aber stimmt das überhaupt? Und wie lässt sich das impulshafte Iiiih- und Bäh-Gefühl in ein Nutria-Fleisch?-Lecker!-Gefühl überführen?

Menschen, die das Nutria-Fleisch probiert haben, sagen, es schmecke wie eine Mischung aus Hase und Kaninchen, andere finden eher wie eine Mischung aus Schwein und Huhn. Wie auch immer: Es sei lecker. Warum also essen wir das Nutria-Fleisch nicht, wenn die Tiere doch eh vielfach abgeschossen werden, weil sie sich zur Plage entwickeln?

Nutrias kommen eigentlich aus Südamerika. Seit sie sich in Europa angesiedelt haben, waren sie sehr effektiv und haben viel Nachwuchs gezeugt. Zum Problem werden sie, weil sie Deiche kaputt nagen und damit den Hochwasserschutz gefährden. (Nebenbei können sie aber auch sehr süß sein.)

Weil Nutrias schwere Schäden anrichten können, gerade in hochwassergefährdeten Gebieten, sind einige Gemeinden und Städte dazu übergegangen, sie jagen zu lassen. Vor allem in Niedersachsen und Bremen. Im nordrhein-westfälischen Kleve wird sogar eine Schwanzprämie von bis zu 7,50 Euro bezahlt. Also drängt sich unserem Deutschlandfunk-Nova-Reporter Stephan Beuting eine Idee auf: 

"Wir brauchen schleunigst einen Markt für Nutriafleisch!"
Deutschlandfunk-Nova-Reporter Stephan Beuting

Die Frage ist, wie sich das Image der Nutrias drehen lässt, damit die aus Deich- und Naturschutzgründen getöteten Tiere nicht völlig sinnlos sterben. Leicht ist es nicht, denn die Vorbehalte sind groß. Im Gegensatz zu anderen Ländern. 

In Südamerika wird Nutria im Ofen mit Pfeffer und Öl zubereitet, in den Niederlanden gibt es Eintopf-Gerichte, die über das Internet verbreitet werden. Hier in Deutschland ist das noch sehr zurückhaltend. Immerhin, wir haben eins gefunden: Gulasch in Pilzsoße. Na dann. 

Mit Nachhaltigkeitsmarketing Nutria-Fleisch hip machen

Foodblogger Thomas Müller hält es auch für schwer, Nutria-Fleisch auf Speisekarten zu etablieren. Er glaubt, dass man penetrant werben muss. 

"Du musst schon dreimal etwas gehört haben, bevor du es probierst."

Unserem Reporter wird geraten, ein konsequentes Öko- und Nachhaltigkeitsmarketing aufzuziehen und voll auf die Bio-Karte zu setzen. Wichtig sei, das Alleinstellungsmerkmal der Nutrias herauszuarbeiten: Dass sie sehr saubere Tiere sind oder dass das Fleisch gesund ist und wenig Fett hat, zum Beispiel.  

So, jetzt muss es nur noch einer machen. 


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