In Frankreich sorgt eine Facebook-Gruppe von Journalisten und Kreativen für Empörung. Die Mitglieder von "La Ligue du LOL" haben online Frauen gemobbt.

Etwa 30 männliche einflussreiche Journalisten, Blogger und Medienschaffende sollen sich in der Facebook-Gruppe "Ligue du LOL" (LOL-Liga) verabredet haben, um vor allem Journalistinnen und Bloggerinnen im Netz anzugreifen und zu mobben. Und das über Jahre hinweg!

Mehrere Medien haben daraufhin ihre Zusammenarbeit mit Mitgliedern der Gruppe beendet. Darunter die bekannte linke Zeitung "Libération" und die französische Ausgabe der US-Onlinezeitung "Huffington Post". Libération hatte Ende vergangener Woche selbst über die Gruppe berichtet und das Thema damit angestoßen.

Fälschungen und Mobbing

Die "LOL-Liga" soll rund zehn Jahre lang auf Facebook, Twitter und in anderen sozialen Netzwerken gezielt Kolleginnen und Kollegen der Lächerlichkeit preisgegeben und massiv beleidigt haben. Sabine Wachs, Deutschlandfunk-Nova-Korrespondentin in Paris, sagt, die Täter hätten sich oft online über die Frauen oder deren Artikel lustig gemacht oder ihre Fotos so gefälscht, dass die Opfer dann plötzlich in Pornofilmen auftauchten. 

Elitäre Gruppe

Die Gruppe bestehe aus weißen jungen Männern, die aus gutem Hause stammen würden. Darunter seien Männer, die auf Twitter viele Follower hätten und in der Medienbranche auch über Macht verfügen würden, sagt Wachs. So auch der Pariser Journalist Vincent Glad, der die Gruppe vor zehn Jahren ins Leben gerufen hatte. 

Die Opfer hätten bislang nicht gewusst, dass hinter den Diffamierungen und Bedrohungen ein System steckt und hätten, aus Angst um ihren Job, oft nicht über das Mobbing gesprochen. Unter dem Hashtag #leaguedulol gehen jetzt immer mehr Betroffene an die Öffentlichkeit und melden sich zu Wort.

"Die Opfer geben jetzt Interviews im Radio und im Fernsehen. Sie machen klar, dass sie lange Zeit Angst hatten, weil die Mitglieder der Gruppe einflussreiche Menschen in der Medienlandschaft sind."
Sabine Wachs, ARD-Korrespondentin in Paris

Die Gruppe und der Gründer Vincent Glad hätten sich nun entschuldigt, sagt Wachs. Glad sagt, er habe ein Monster geschaffen, dabei sei das alles doch nur als kleiner Streich gedacht gewesen. Die Mitglieder der Gruppe hätten auch jetzt schon viele ihrer beleidigenden Tweets gelöscht, sagt die Korrespondentin.

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