Von Antanzen bis zur Vergewaltigung: Auf Festivals ist sexualisierte Gewalt gegenüber Frauen ein massives Problem. Die ersten Festivals reagieren mit männerfreien Campingzonen, Sicherheitsparolen und Awareness-Teams.

Das Nova Rock Festival in Nickelsdorf in Österreich richtet 2019 eine spezielle Campingzone nur für Frauen ein: Grrrls Camping. Wie der Veranstalter das genau gestalten wird, steht noch nicht fest. Beim Wackenfestival – unser Bild – ist beinahe die Hälfte des Securitypersonals weiblich. Das Wiener Donausinselfest wird einen eigenen Bereich für weibliche Gäste einrichten.

Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Anna Kohn hat sich die Sicherheitskonzepte für Frauen auf Festivals angeguckt. Bei Nova Rock ist angekündigt, dass die Registrierung für das Grrrls Camp kostenlos sein wird. Als Grund für die Einführung des männerfreien Campingbereichs gibt der Veranstalter zahlreiche Rückmeldungen von besorgten Besucherinnen an, die sich nicht durchgehend wohlgefühlt hätten. Ziemlich konkret hatten zwei Frauen angegeben, dass sie 2018 auf dem Festival begrapscht und im Intimbereich angefasst wurden. Festivalmitarbeiter hätten ihnen nur unzureichend geholfen. 

England: Nur 2 Prozent gehen zur Polizei

Zum Thema sexuelle Belästigung auf britischen Festivals gibt es eine Studie aus dem 2018. Ihr zufolge haben 43 Prozent der weiblichen Festivalbesucher unter 40, dort unerwünschtes sexualisiertes Verhalten – wörtlich sexual assault or harassment – erfahren. 35 Prozent von ihnen sprachen mit niemandem darüber. Nur 2 Prozent der Betroffenen gingen zur Polizei.

In Deutschland gibt es Zahlen zu Anzeigen. Beim Hurricane gab es 2017 vier Anzeigen wegen sexueller Belästigung. Bei Rock am Ring sind es wohl ein bis zwei pro Jahr. Anna erinnert daran, dass allerdings die Dunkelziffer sehr hoch sein könnte.

Eine Frage als Sicherheitscode

Gegen Belästigung und sexualisierte Gewalt sollen speziell geschulte Securityteams helfen. Solche Teams kennt Anna als Awareness-Teams auch von kleineren Festivals. Sie sind immer ganz deutlich gekennzeichnet. Man kann sie nicht nur bei sexistischen Übergriffen ansprechen, auch wenn man sich diskriminiert fühlt, oder wenn jemand ganz allgemein Grenzen verletzt.

Bei großen Festivals wie dem Southside und dem Hurricane gibt es ein Codewort. Wer einem Mitarbeiter die Frage "Wo geht’s hier nach Panama?" stellt, wird direkt in einen geschützten Bereich gebracht. In manchen Bars könnt ihr die Mitarbeiter nach Luisa fragen, wenn ihr euch bedroht fühlt.

Schweden: Ein Festival ohne Männer

In Glastonbury geht man das Problem schon länger so ähnlich wie beim Nova Festival an. Dort gibt es seit 2016 The Sisterhood, einen Festivalteil extra nur für Frauen, Queer- oder Transmenschen und Besucher mit Handicap.

Bei dem schwedischen Bråvalla Festival, dem ursprünglich größten Musikfestival Schwedens, gab es 2017 mehr als 20 Anzeigen wegen sexueller Belästigung und fünf wegen Vergewaltigung. 2018 wurde es abgesagt. Als Reaktion hat eine Moderatorin ein Festival nur für Frauen, Non-binäre und Transgender-Menschen ins Leben gerufen. 

Ein klarer Fall von Männerdiskriminierung? Der schwedische Diskriminierungs-Ombudsmann ordnete zwar manche Botschaften auf der Homepage als Männer diskriminierend ein, aber nicht das Festival selbst.

Donauinselfest 2018 - der Veranstalter plant für 2019 einen Campingbereich für Frauen
© dpa
Auch hier ist ein eigener Bereich nur für Frauen geplant: das Donauinselfest in Wien - hier 2018

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