Die russische Nationalmannschaft überrascht mit guten Leistungen und vielen Toren. Der Verdacht des Dopings steht im Raum. Beweise gibt es keine - Russland gibt sich aber auch wenig Mühe, zu überzeugen, dass alles mit rechten Dingen zugeht.

Vor dem Eröffnungsspiel der FIFA-WM gab es in Russland nur wenige gute Worte über die eigene Nationalmannschaft. Die Erwartungen waren extrem niedrig, die Sbornaja hatte vor der WM im Jahr 2018 noch kein Länderspiel gewonnen.

Nach dem 5:0 gegen Saudi-Arabien und dem 3:1 gegen Ägypten schlug die Stimmung dann um. Die Erleichterung war groß, dass es um das Team offensichtlich doch nicht so schlecht steht, wie viele befürchtet hatten.

Externe Beobachter fragen sich dann aber doch: Wo kommt die plötzliche Leistungssteigerung her?

Mehr Kilometer als alle anderen

Die russische Nationalmannschaft hat von allen 32 WM-Teams die meisten Kilometer zurückgelegt.

Gegen Saudi-Arabien rannten die Russen 12,61 Kilometer mehr als der Gegner, das entspricht - grob gerechnet - einem zusätzlichen Feldspieler. Auch gegen Ägypten war der WM-Gastgeber mit 5,61 mehr gelaufenen Kilometern in dieser Statistik klar besser.

"Selbstverständlich ist dieser Fakt allein keinerlei Beweis für Doping", stellt Matthias Friebe klar. Es könne an sehr vielen Faktoren liegen, etwa an der Spielweise des Gegners oder der Uhrzeit des Anpfiffs.

"Korrekturen in der Trainingssteuerung"

Über Doping will in Russland niemand reden - am allerwenigsten Russlands Nationaltrainer Stanislaw Tschertschessow. Er spricht von besonderer Motivation und "ein paar Korrekturen in der Trainingssteuerung".

Grundsätzlich könne Doping auch im Fußball helfen - gerade einer Mannschaft, die über Laufleistung und Ausdauer ins Spiel kommt, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Matthias Friebe. 

"Es wird schon gemunkelt. Man schaut sich die erstaunlichen Zahlen sehr argwöhnisch an."
Matthias Friebe, Deutschlandradio-Sportredaktion

Dass man der russischen Mannschaft und dem russischen Sport insgesamt nicht traue, sei nach dem Skandal von Sotschi und der IOC-Sperre bei den Olympischen Spielen klar, sagt Matthias.

Was wusste die FIFA?

Auch eine Verbindung zum russischen Fußball sei publik geworden: Im viel zitierten McLaren-Report, der das russische Staatsdoping dokumentiert, sind auch russische Fußballer aufgeführt. Einer davon, Ruslan Kambolov, stand in jüngster Zeit noch im Kader der Sbornaja und war vor der WM noch gestrichen worden. Ein Statement von russischer Seite gibt es dazu bisher nicht.

Neue Medienberichte aus England werfen der FIFA vor, seit mehr als einem Jahr davon gewusst, aber nichts dagegen unternommen zu haben. Die FIFA hatte russische Fußballer vor der WM vom Doping-Verdacht entlastet. Das sei im gewissen Sinne auch klar, sagt Matthias. denn was könne der FIFA und dem Gastgeberland Russland mehr schaden als Schlagzeilen in diese Richtung? Man wolle ja jetzt ein Fußballfest feiern. 

"Mit gesundem Menschenverstand müsste man eigentlich sagen: Gegen Spanien oder Portugal ist spätestens Schluss für Russland. Aber man weiß nie, was der Heimvorteil bringen kann."
Matthias Friebe, Deutschlandradio-Sportredaktion

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