In Utah in den USA sind am Wochenende die Preise beim Sundance Filmfestival vergeben worden. Beim Gegenentwurf zu den Oscars werden die besten Independent-Filme ausgezeichnet, die unabhängig von den großen Filmfirmen in Hollywood entstanden sind. 

Mehr als 100 Filme sind in den letzten anderthalb Wochen beim Sundance Filmfestival gelaufen. Das Festival unterscheidet zwischen Spielfilmen und Dokus. Preise gibt es für relativ viele Filme, weil zwischen Spielfilmen und Dokus sowie national und international unterschieden wird. Außerdem werden Kurzfilme ausgezeichnet und es gibt Sonderpreise. 

"Clemency" gewinnt den Grand Jury Preis

Den Grand Jury Price für Filme aus den USA gewann das Drama "Clemency" von Regisseurin Chinonye Chukwu (im Bild 4.v.l.), die auch das Drehbuch geschrieben hat. Sie ist die erste schwarze Frau, die diesen Hauptpreis bekommt. Der Film erzählt die Geschichte einer Gefängnisaufseherin, die in einem Hochsicherheitstrakt Hinrichtungen vollstreckt – und damit immer weniger klar kommt. Mit einem der zum Tode verurteilten Häftlinge freundet sie sich an. Ein hartes Thema in einer ganz neuen Perspektive, sagt Hauptdarstellerin Alfre Woodard (im Bild 2.v.l.). Denn wie verändert die Todesstrafe die Menschen, die sie vollstrecken?

"Jeder kann von der Todesstrafe halten, was er will. Wir wollten zeigen, was sie mit denen anrichtet, die sie ausführen."
Alfre Woodard, Hauptdarstellerin im Film "Clemency"

Sie habe gewollt, dass wir uns alle damit befassen, "was es heißt, im Gefängnis zu sein - damit wir aufhören, Menschen nur nach ihrer schlimmsten Tat zu beurteilen", sagte Regisseurin Chinonye Chukwu in einer emotionalen Dankesrede. Die Welt ist eben nicht nur schwarz und weiß – und die Menschen, die in ihr leben, schon gar nicht. Genau das will "Clemency" zeigen.

5 Regisseurinnen ausgezeichnet

Die Geschlechtergerechtigkeit im Film war zuletzt – und ist immer wieder – eines der großen Themen in Hollywood. Beim Sundance Festival konnten (neben Chinonye Chukwu) noch vier weitere Filmemacherinnen wichtige Preise abräumen: Auch in der internationalen Wertung, der "World Cinema Dramatic Competition", gewann der Film einer Regisseurin den großen Preis der Jury: In "The Souvenir" der britischen Regisseurin Joanna Hogg (mit Honor Swinton Byrne, Tom Burke und Tilda Swinton) geht es um eine junge Filmstudentin, die sich in den frühen 80er Jahren auf einen komplizierten, nicht vertrauenswürdigen Mann einlässt.

Beste Dokus: "One Child Nation" und "Honeyland"

Als beste US-Dokumentation wurde "One Child Nation" von Nanfu Wang und Jialing Zhang ausgezeichnet. Sie zeigt die Folgen der Ein-Kind-Politik in China. Was es mit der Gesellschaft gemacht hat, dass man staatlich reguliert nur ein Kind bekommen durfte, hat Filmemacherin Nanfu Wang selbst erlebt: Sie musste damit klar kommen, dass ihre Eltern enttäuscht darüber waren, dass sie keinen Jungen geboren haben, sondern ein Mädchen. Vielleicht auch deshalb hat der Film die Jury besonders berührt.

"Dieser provokative Film hat die Jury gefordert und verändert."
Sundance Jury über "One Child Nation"

Mittlerweile ist die Ein-Kind-Politik in China Geschichte und irgendwie war es dann ganz versöhnlich, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Sebastian Sonntag, dass Nanfu Wangs Mann bei der Preisverleihung nicht mit dabei sein konnte, obwohl er den Film ihr zusammen gemacht er. Er hat nämlich auf ihr Kind aufgepasst. 

In der Kategorie "Internationale Dokumentation" siegte "Honeyland" von Tamara Kotevska und Ljubomir Stefanov aus Mazedonien. Der Film zeigt - auf sehr kunstvolle Art - den Kampf einer Bienenzüchterin um ihre Existenz und die ihrer Bienen. 

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Einen Sonderpreis in der Sparte "World Cinema" gewann der Thriller "Monos" von Alejandro Landes. Die deutsche Ko-Produktion zeigt eine Gruppe von Kindersoldaten im kolumbianischen Bürgerkrieg, die eine amerikanische Geisel bewachen müssen. 

Robert Redford zieht sich zurück

Ins Leben gerufen hatte das Sundance Festival 1978 Robert Redford. Der Schauspieler, Regisseur und Produzent wollte eine eigenständige Plattform für solche Filme schaffen, die in Hollywood sonst eher nicht so beachtet werden. Redford, inzwischen 82 Jahre alt, scheint mit "seinem" Festival – und der Öffentlichkeit, die es mittlerweile erzeugt – ziemlich zufrieden zu sein. Er hat nämlich angekündigt, sich aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen, was die Promo-Aktivitäten für das Festival angeht. 

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