In Deutschland wird es vorerst keine Formel-1-Rennen mehr geben. Schuld daran ist aber nicht etwa ein gesunkenes Zuschauerinteresse. Die Rennen sind für die Rennstreckenbetreiber schlicht zu teuer.

Der Grand Prix in Hockenheim am kommenden Wochenende (22. Juli) wird das vorerst letzte Formel-1-Rennen in Deutschland sein. Auch am Nürburgring in der Eifel findet schon seit Jahren keine Formel-1-Veranstaltung mehr statt. Der Grund: "zu teuer", sagt Christoph Becker, Motorsport-Experte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Interesse an Formel 1 sinkt nicht generell

In Deutschland gebe es generell kein reduziertes Interesse an der Formel 1, sagt Christoph Becker. Im Gegenteil, die Zuschauerzahlen in Hockenheim steigen seit Jahren, ebenfalls die Einschaltquoten. Das Problem sei einfach: Der Preis, den die Formel-1-Betreiber für einen Grand Prix aufrufen, sei so sehr gestiegen, dass es sich ein Rennstreckenbetreiber wie der in Hockenheim nicht mehr leisten können, ein Formel-1-Rennen auszutragen. Und das sogar, obwohl die Niederlande gerade einen Formel-1-Boom erleben, und tausende niederländische Zuschauer zum Hockenheimring kommen.

Staatliche Zuschüsse in anderen Ländern

In manchen anderen Ländern läuft das anders. In Aserbaidschan zum Beispiel wird das Stadtrennen in Baku weitgehend aus der Staatskasse finanziert. Auch in Frankreich ist das Formel-1-Rennen staatlich bezuschusst worden.

"Das Regime in Aserbaidschan wollte ein Formel-1-Rennen auf den Straßen der Hauptstadt haben. Dann wird der Betrag eben aus der Staatskasse bezahlt."
Christoph Becker, Motorsport-Experte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

Rennen in der Stadt

Dass Sportveranstaltungen in Städte verlegt werden, ist in den vergangenen Jahren öfter zu beobachten - aktuell beispielsweise wird ein Kugelstoßenturnier der Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Nürnberg mitten in der Altstadt ausgetragen.

Für die Formel 1 könnte das eine Chance sein, noch mehr Besucher und Fernsehzuschauer zu bekommen - zum Beispiel, weil die Rennwagen vor schöner Kulisse in Miami am Strand entlang rasen.

Christoph Becker hat daran erstmal nichts auszusetzen, kritisiert es aber, wenn Regierungen beschließen, teure Veranstaltungen ins Land zu holen, obwohl sich die Bevölkerung dafür gar nicht interessiert. Er glaubt auch nicht, dass ein Stadtrennen jemals in Deutschland stattfinden wird: "Ich wüsste nicht, wo man das austragen könnte."

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