Wer davon träumt, perfekt eine Fremdsprache sprechen zu wollen, sollte seine Ambitionen runterfahren. Nach der Pubertät ist der Zug für das perfekte Sprechen einer Fremdsprache abgefahren.

Ein Team aus Wissenschaftlern vom Massachusetts Institute of Technology berichtet im Fachmagazin "Cognition" über seine Studie, an der 670.000 Menschen teilgenommen haben. Das Ergebnis: Spätestens mit zehn Jahren sollte man mit der Fremdsprache beginnen, dann hat man gute Chance, die Sprache so zu sprechen, dass Muttersprachler kaum einen Unterschied feststellen. Schwierige grammatische Regeln nehmen wir in diesem Alter noch leichter auf als später.

Hinregionen nach der Pubertät ausgereift

Der Neurowissenschaftler Henning Beck erklärt, dass nach der Pubertät bestimmte Hirnregionen, die fürs Fremdsprachenlernen wichtig sind, in ihrer Entwicklung "ausgereift" sind und dann nicht mehr so flexibel neue Informationen verarbeiten können. Außerdem haben Kinder mit acht bis zehn Jahren noch Zeit genug zu lernen und können sich voll drauf konzentrieren.

Nicht elastisch genug für Fremdsprachen

Das Zeitfenster, eine Sprache wie die Muttersprache zu erlernen, schließt sich mit Ende der Pubertät. Die Hirnregionen verlieren dann ihre Plastizität, ihre Formbarkeit, sie sind dann ausdifferenziert, sagt Henning Beck. Ab dann wird es schwierig eine neue Sprache perfekt zu beherrschen. Denn eine Zweitsprache wird auch in ganz anderen Hirnregionen verarbeitet als die Muttersprache, erklärt der Neurowissenschaftler. Das Gehirn greift dann auf andere Regionen zu, um die neue Fremdsprache zu verarbeiten.

"Die Hirnregionen sind nicht mehr so flexibel, wenn sie ausreifen, um neue Dinge zu verarbeiten, die hinzukommen."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Um eine Sprache perfekt sprechen zu können, arbeiten verschiedene Hirnregionen zusammen. Es gibt nicht die eine Hirnregion, die für Sprache zuständig ist. Eine Sprache perfekt zu lernen und sprechen, bedeutet zum einen, sie akzentfrei zu sprechen. Auch wenn jemand alle Wörter der Sprache kennt, die in Hirnregionen des vorderen Hirnbereichs abgelegt sind, wo semantische Bedeutungsebenen verarbeiten werden, heißt das noch nicht, dass er die Sprache perfekt spricht. 

Für den Akzent oder die Sprachmelodie sind wiederum ganz andere Hirnregionen zuständig, die im mittleren oder hinteren Hirnbereich verortet sind. Deshalb kann es individuell ganz unterschiedlich sein, warum man eine Sprache perfekt beherrscht oder nicht.

"Wenn du jung bis, so acht, neun oder zehn, dann hast du auch noch Zeit, eine Sprache zu erlernen."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Um eine Sprache perfekt zu lernen, so, dass fast kein Unterschied zu Muttersprachlern zu hören ist, müsste man vor der Pubertät – ungefähr mit zehn Jahren - mit dem Spracherwerb beginnen.

Unperfekt, aber hoch motiviert

Wenn es nicht perfekt sein muss, dann kann jeder nach Lust und Laune auch noch später eine Sprache erlernen. Es ist dann zwar schwieriger, aber: Wenn du lernst, weil der neue Freund oder die Freundin eine Fremdsprache spricht, dann hast du eine hohe Motivation. Wenn du es nur lernst, um in einer Sprach-App viele Punkte zu sammeln, dann sind die Erfolgsaussichten eher gering, meint Henning Beck.

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