Wenn ein Paar ein Kind bekommt, machen Frauen einen Geburtsvorbereitungskurs. Und Männer? Die wollen auch vorbereitet werden auf alles, was da kommt. Glücklicherweise gibt es immer mehr Angebote speziell für Männer.

Bei Björn und Marie dauert es jetzt nicht mehr lange – in eineinhalb Monaten kommt ihr erstes Kind. Beide sind Anfang 30 und inzwischen ganz schön aufgekratzt. Das Babybett steht jetzt im Schlafzimmer, "das macht das alles so real", sagt Björn. 

Björn besucht einen Geburtsvorbereitungskurs für Männer

Für Björn ist klar: Er will bei der Geburt dabei sein. Aber er möchte auch gut vorbereitet sein, auf all das, was da kommt, was da passiert. Deshalb besucht er einen Geburtsvorbereitungskurs für Männer. In München gibt es das. Anselm Kusser leitet diesen Kurs. 

Auf die Idee, Kurse für werdenden Väter anzubieten kam Anselm Kusser als er vor der Geburt seiner ersten Tochter selbst bei so einem klassischen Geburtsvorbereitungskurs war, der sich an Partner richtet. Der hatte ihn gar nicht überzeugt, sagt er. 

"Es ging mehr um die Seite der Frau. Der Mann hört sich das an. Das ist auch gut und sinnvoll. Aber was kann der Mann aktiv tun?"
Anselm Kusser, leitet einen Geburtsvorbereitungskurs für Männer in München

Anselm Kusser weiß, Männer haben andere Fragen als Frauen – und sie suchen ihre Rolle. Während es früher unvorstellbar war, dass der Mann mit zur Geburt in den Kreißsaal kommt, ist es heute selbstverständlich. Das Problem das da aber viele Männer haben: Sie können nicht viel tun. Aber gefühlt viel falsch machen. 

Männer im Kreißsaal haben Rollen-Unsicherheit

Neben Björn besucht auch Michi den Vorbereitungskurs. Er ist auch unsicher, was genau seine Aufgabe bei der Geburt ist. Er hadert mit dem gesellschaftlich vorgegebenen Männerbild.

"Immer heißt es: die starken selbstbestimmten Männer. Und plötzlich sind wir das gar nicht mehr. Wir schauen zu. Die meiste Arbeit haben die Frau und das Kind."
Michi, Teilnehmer des Geburtsvorbereitungskurses von Anselm Kusser

Anselm Kusser möchte seinen Teilnehmern vermitteln, dass es okay ist, die passive Rolle zu haben. Auch das könne Frauen helfen, sagt er. Wichtig sei, dass die Männer einen Überblick bekommen, was alles bei einer Geburt passieren kann – wenn sich die Nabelschnur zum Beispiel um den Hals legt. Er übt mit ihnen auch Windeln zu wechseln und bespricht Fragen, die kommen werden, wie Wochenbettdepression oder Impfen zum Beispiel. 

Männer brauchen Vertrauen und Sicherheit

Sein wichtigstes Ziel ist es aber, den Männern Sicherheit und Vertrauen zu geben. Björn zum Beispiel fragt sich, was er machen kann, wenn seine Frau bei jedem neuen Zimperlein ständig googelt und glaubt, sie habe etwas ganz Schlimmes. Er fragt Anselm Kusser: "Hast du einen Tipp, wie ich sie da beruhigen kann?"

"Ich geh da pragmatisch ran. Bei Schwangerschaften gibt es die Tendenz zur Panikmache. Da hilft es, einfach bei sich selbst zu bleiben. Die Frau ist ja in Kontakt mit dem Kind und spürt, wenn was nicht passt."
Anselm Kusser, leitet einen Geburtsvorbereitungskurs für Männer in München

Nach gut vier Stunden ist dieser Kurs zu Ende. Björn ist richtig zufrieden und fühlt sich gut vorbereitet. Auch der Appell von Anselm Kusser gibt ihm zusätzliche Motivation. Anselm sagt: "Ihr schafft das. Das haben andere schon geschafft, und ihr schafft das auch." Ein Satz übrigens, den Frauen von ihren Hebammen genauso auch zu hören bekommen.

Ein paar Wochen später gibt Björn noch mal eine kurze Rückmeldung. Seine Tochter ist inzwischen auf der Welt. Alles habe gut geklappt. 

"Dieses Wissen: Hey, es ist alles sehr intuitiv und natürlich. Du brauchst vor nichts Angst zu haben. Da war das Besprechen sehr hilfreich."
Björn, ein erleichterter Papa kurz nach der Geburt seiner Tochter

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