Pi hat viele Nachkommastellen: Mittlerweile können Computer Billionen von ihnen berechnen. Es gibt Menschen, die versuchen, möglichst viel von Pi auswendig zu lernen. Wir kennen da ein paar Techniken.

Pi bestimmt, welches Verhältnis der Umfang eines Kreises zu seinem Durchmesser hat. Aber diese Kreiszahl ist auch Objekt einiger Gedächtnisprofis, die "Pi-Sport" betreiben. Beispielsweise finden Pi-Wettbewerbe statt, bei denen die Teilnehmenden möglichst viele Nachkommastellen aufsagen müssen. Der weltweite Rekord soll bei 70.030 Nachkommastellen liegen. 

Von diesen Dezimalstellen gibt es bei Pi noch viele mehr. Die Server der Google Cloud haben in fast 112 Tagen die bisher meisten Nachkommastellen von Pi ausgerechnet: Das sind 31,4 Billionen.

Bei Zahlen müssen wir kreativ werden

Wer sich so viele Nachkommastellen merken will, braucht Techniken: Beatrice Kuhlmann ist Professorin für Kognitive Psychologie an der Uni Mannheim. Sie weiß, wie wir uns als Laien zumindest ein paar Dezimalstellen mehr merken können. 

Bei Zahlen müssen wir richtig kreativ werden: Gedächtnisweltmeister, die sich scheinbar unendlich lange Zahlenabfolgen merken können, haben lange an ihrem System gearbeitet. Sie ordnen einzelnen Zahlen zum Beispiel Prominenten, Verwandten oder bestimmten Objekten zu. Wenn die Gedächtnissportlerinnen und Gedächtnissportler dann eine bestimmte Zahl hören, stellen sie sich diese direkt bildhaft vor.

"Als Laie muss man da wirklich kreativ werden."
Beatrice Kuhlmann, Professorin für Kognitive Psychologie an der Uni Mannheim

Bei der Zahl Pi rät Beatrice Kuhlmann unter anderem zum "Chunking": Wir sollen Zahlengruppen bilden – und uns nicht jede einzeln merken. So vermeiden wir zu viele Informationseinheiten, denn die nehmen Platz weg. Wenn Beate Kuhlmann sich also die Dezimalstellen von Pi merken will, sieht das so aus: Ihre Nichte ist 14, die hat am 15. November Geburtstag. 92 ist ihre Oma. 65 war mal das Rentenalter. Und sie selbst wird 35. Also: 3,1415926535 – das sind schon zehn Nachkommastellen. Es ist auch möglich, noch größere "Chunks" zu bauen.

"Für mich ging das relativ schnell. Ich habe mir die Zahlen angeschaut und wusste: Was ich will, ist, einen Sinn zu finden."
Beatrice Kuhlmann, Professorin für Kognitive Psychologie an der Uni Mannheim

Eine Schwierigkeit beim Lernen solcher Zahlenreihen ist die sogenannte Interferenz: Dass vorherige Zahlen und Geschichten, die wir uns ausgedacht haben, das Einstudieren von später in der Reihe kommenden Zahlen stören. Dabei könnte uns "Willentliches Vergessen" helfen: Wir erkennen, welche Informationen wir nicht mehr brauchen und stellen uns innerlich darauf ein, Neues zu lernen – und vermischen die dann möglichst nicht mit unserem alten Wissen. 

Verschiedene Techniken für verschiedene Anlässe

Lernstoff aus der Uni scheint da im Vergleich zum Auswendiglernen von Zahlen leichter, denn der Lernstoff ergibt im besten Fall Sinn: Wir können ihn verstehen und mit bereits vorhandenem Wissen verknüpfen. Genau das macht es einfacher, sich etwas zu merken, sagt Beatrice Kuhlmann. Und das hilft auch beim Erinnern: Wenn wir uns an eine Sache erinnern, kämen wir so auch leichter wieder auf die andere.

"Das sind die Dinge, die es einfacher machen, sich etwas zu merken: Wenn ich es mit dem verbinden kann, was ich schon weiß und es untereinander verbinden kann."
Beatrice Kuhlmann, Professorin für Kognitive Psychologie an der Uni Mannheim

Etwas anders sieht das beim Vokabellernen aus. Beatrice Kuhlmann sagt, dass diese Art zu lernen eher zwischen dem Lernen von Unistoff und der Zahl Pi steht. Hier gibt es zum Beispiel auch eine Memotechnik fürs Vokabellernen: Wir suchen nach ähnlich klingenden Wörtern in unserer Sprache und spielen mit ihnen. "Le chien" heißt Hund auf Französisch, da können wir uns zum Beispiel einen Hund auf Skiern vorstellen, weil sich das Wort Skier ähnlich anhört. So schaffen wir Verbindungen. Und darum geht es beim Gedächtnissport eigentlich immer.

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