Das war Betrug im großen Stil: GVK Bio, einer der größten Konzerne Asiens, der klinische Tests für Pharmafirmen macht, ist aufgeflogen, weil Studien gefälscht wurden. Allein in Deutschland werden jetzt 100 Zulassungen geprüft.

Auf dem Pharma-Markt geht es nicht um Peanuts. Ein einziges neues Medikament zu entwickeln kostet oft Hunderte Millionen Euro. Daher werden teure Studien am Menschen nach Indien ausgelagert, weil sie dort günstiger gemacht werden können. Der Rechercheverbund von WDR, NDR und Sueddeutscher Zeitung hat jetzt herausgefunden, dass dort offenbar über Jahre hinweg, systematisch betrogen wurde.

"Die deutschen Behörden sagen bisher, es gebe keine Hinweise auf eine Gesundheitsgefahr."
DRadio-Wissen-Autorin Sophie Stigler

Es könnte sein, dass in Deutschland und in vielen anderen Ländern Medikamente vom Markt genommen werden müssen. Die EU-Gesundheitsbehörde EMA prüft das zurzeit. Über einen Verkaufsstopp entscheidet in letzter Instanz die EU Kommission.

Wo die Pharma-Industrie überall Geld spart

Um Geld zu sparen, gehen die Unternehmen nicht ausschließlich nach Indien. Die teuren Studien werden auch in China, Brasilien oder in afrikanischen Ländern gemacht. Also überall dort, wo Ärzte und Studienteilnehmer nicht so teuer sind. Oft sind die Menschen auch so arm, dass sie sich keine Medikamente leisten können, und eher bereit sind, an gefährlichen Tests teilzunehmen.

"Die Regierung in Indien hat aktiv Pharmafirmen angelockt. Mit niedrigen Steuern und Gesetzesänderungen."
DRadio-Wissen-Autorin Sophie Stigler

Indien ist bei den Pharma-Konzernen nach wie vor sehr beliebt. Denn hier sind die Studien nicht nur billig, auch die Ärzte sind gut ausgebildet und sprechen englisch. Allerdings sind die indischen Testergebnisse nicht einfach auf andere Weltregionen übertragbar: Blutdrucksenker zum Beispiel wirken bei einer 30 Jahre alten indischen Testperson ganz anders als bei einem 60-jährigen Europäer mit Übergewicht.