Die Verbraucherzentrale Hamburg hat den vierten Marktcheck zu Gender Pricing vorgestellt. Das Ergebnis: Die Preisunterschiede zwischen Frauen- und Männerprodukten sind etwas geringer geworden - teilweise aber immer noch dramatisch.

Obwohl seit zwei, drei Jahren immer wieder über Gender Pricing berichtet wird (unser erster Artikel zum Thema ist knapp vier Jahre alt), haben viele Frauen davon noch nichts gehört, sagt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg.

Unter anderem deswegen hat die Verbraucherzentrale die Kampagne "Equalicare" gestartet, genauer: Sie hat einen kleinen Drogeriemarkt aufgebaut, in dem eine Creme in einer Tube verkauft wird. Die eine Seite ist pink bedruckt und auf Frauen ausgerichtet. Dreht man sie um, erscheint ein blaues Design für Männer. Der Inhalt ist der gleiche, der Preis aber nicht: Die pinke Variante kostet 6,90 Euro, die blaue 4,90 Euro.

Die Reaktionen der Kundinnen und Kunden wird per Kamera festgehalten. Die Kampagne soll für das Thema sensibilisieren.

37 Prozent Frauenaufschlag

Zur Kampagne liefert die Verbraucherzentrale aktuelle Informationen zum Gender Pricing - also zur Preisdifferenzierung von Produkten, die es einzig und allein deshalb gibt, weil deren Käufer Frauen sind. Als Gender-Pricing-Klassiker haben sich Einweg-Rasierer und Rasierschaum etabliert, die deutlich teurer sind, wenn "Woman" oder "Lady" draufsteht.

Die Verbraucherzentrale Hamburg hat 2015, 2016 und 2017 jeweils einen Marktcheck durchgeführt. Armin Valet sagt, die Situation habe sich inzwischen etwas verbessert. Die Preisunterschiede seien aber immer noch da, im Durchschnitt zahlen Frauen 37 Prozent mehr für die von der Verbraucherzentrale analysierten Kosmetikprodukte.

"Eine prinzipielle Abkehr vom Gender Pricing, die sich viele Frauen wünschen, ist nicht festzustellen."
Verbraucherzentrale Hamburg

Nach wie vor gebe es Extreme, sagt Armin Valet: Ein Rasierschaum sind in der Frauen- und Männervariante quasi gleich, kosten für Frauen aber das Doppelte.

Auch manche Einwegrasierer seien identisch, sagt Armin Valet. Sie unterscheiden sich nur in der Ansprache: Frauen werden über den Aloe-Vera-Gehalt des Rasierers informiert, Männer werden mit einer "Chrome-Veredelung" angesprochen.

Einfach nicht mitmachen - und Männer-Produkte kaufen

Eine Studie der Antidiskriminierungstelle des Bundes aus dem Dezember 2017 zeigt: Gender Pricing gibt es auch bei Dienstleistungen wie Haarschnitt oder das Reinigen von Kleidung.

Warum es Gender Pricing überhaupt gibt, ist schwierig zu analysieren. Eine Erklärung liegt nahe: Die Unternehmen machen, weil sie es können. Oder anders: Weil Frauen einfach die höheren Preise bezahlen. Es ist aber einfach, da nicht mitzumachen: Einfach die gleichen oder ähnliche Männer- oder Unisex-Produkte kaufen.

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