Die Wikinger waren keineswegs rein skandinavischer Herkunft und kein homogener Stamm – eher schon eine Kultur. Das zeigen DNA-Untersuchungen hunderter Menschen, die vor über 1000 Jahren auf Wikingerart bestattet wurden.

Die Wikinger waren eher eine Kultur als ein Volkstamm. Das legt eine recht umfassende genetische Analyse des Erbguts von rund 440 Menschen nahe, die zwischen dem Jahr 750 und 1050 nach Wikinger-Ritus beerdigt worden sind.

"Diese Menschen trugen Wikingerkleidung, waren aber längst nicht alle Skandinavier. Die Wikinger waren demnach ähnlich gemischt wie die meisten anderen Volksgruppen zu dieser Zeit auch."
Klaus Jansen, Deutschlandfunk Nova Nachrichtenredaktion

Ein internationales Team von Forschenden hat das Material von Fundstätten in Europa und Grönland untersucht. Ihre Ergebnisse haben sie in der Zeitschrift Nature veröffentlicht. Eine Pre-Print-Fassung des Artikels ist hier frei zugänglich.

Wikinger mit braunen Haaren

In der DNA zeigt sich, dass die Wikinger Vorfahren aus dem Nahen Osten hatten, aus dem Baltikum, aus Zentralasien oder Mitteleuropa. So wie viele andere europäische Völker damals auch.

"Die meisten Wikinger hatten braune Haare. Also wenn du dir bis jetzt einen blonden, irgendwie ungepflegten Schweden als Wikinger vorgestellt hast, dann liegst du eher falsch."
Klaus Jansen, Deutschlandfunk Nova Nachrichtenredaktion

Bereits zuvor hatte sich angedeutet, dass die Wikinger Verbindungen nach Polen und in den arabischen Raum pflegten. Das war bei der Untersuchung von Gräbern herausgekommen.

Bei Skeletten aus Südschweden zeigt sich eine enge Verwandtschaft mit Menschen aus Ungarn, bei Wikingerskeletten aus Norwegen: Das waren Pikten, also Kelten aus Schottland. Ein beteiligter Forscher hat dazu gesagt, dass der Genpool der Wikinger die große Ausdehnung über ganz Europa widerspieget, erklärt unser Reporter Klaus Jansen.

Nur Helme ohne Hörner

Die Wikinger haben nachweislich vielerorts in Europa Handelszentren aufgebaut, Siedlungen errichtet und ihre Sprache verbreitet. Eines haben sie aber mit Sicherheit nicht getan: Helme mit Hörnern getragen. Unser Reporter meint: Diese Idee sei erst seit rund 150 Jahren populär. Schuld hat wohl Wagners Ring der Nibelungen. Denn Archäologen haben noch nie einen Wikingerhelm mit Hörnern gefunden.

"Die Wikinger haben auch selber Teile der Kultur von anderen Völkern übernommen. Da war viel Austausch. Das war alles längst nicht so starr und eindimensional, wie wir uns das vielleicht vorstellen."
Klaus Jansen, Deutschlandfunk Nova Nachrichtenredaktion