Es ist einfach ungerecht! Während Männer meist schnell zum Pinkeln huschen können, müssen Frauen oft ewig anstehen. Nicht weil sie länger brauchen, sondern weil es auf dem Frauenklo weniger Pinkelmöglichkeiten gibt. Das ist mehr historisch als anatomisch bedingt und ließe sich ganz einfach ändern. 

21 Sekunden. So lange brauchen Menschen im Schnitt fürs Wasserlassen – egal ob Mann oder Frau. Und dass Frauen sich aus- und anziehen müssen, verlangsamt den Klogang zwar ein wenig, aber nicht wesentlich. Das wahre Problem ist: Männer haben einfach mehr Pinkelmöglichkeiten. 

Ungerecht: Weniger öffentliche Toiletten für Frauen als für Männer

Die brauchen nämlich schlicht weniger Platz. Unsere Reporterin Rebekka Endler rechnet das vor: In einen 20 Quadratmeter großen Raum passen zum Beispiel sechs Urinalplätze und zwei Sitzklos - oder nur vier Sitzklos. Heißt: Gleicher Platz, aber doppelt so viel Pinkelplätze bei den Männern. Kein Wunder geht es da schneller!

"Die Geschichte der öffentlichen Toiletten ist auch die Geschichte des Patriarchats."
Rebekka Endler, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Diese Ungerechtigkeit besteht schon lange und ist ein systemisches Problem, sagt Bettina Möllring. Sie lehrt Industrial Design an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel und ist Expertin für Gestaltung öffentlicher Toiletten. Zum einen hatten Frauen in der Öffentlichkeit weniger Bedeutung, als um 1900 mit dem Aufkommen der Kanalisation auch die ersten öffentlichen Toiletten eingerichtet wurden.

Zum anderen haben Frauen einen anatomischen Nachteil in Sachen Pinkeln – so ein Penis ist schon recht praktisch fürs Wasserlassen in der Öffentlichkeit. Frauen müssen sich mehr entkleiden. Und auch für Tampon oder Bindenwechsel braucht Frau eben Zeit und Raum.

"Warum also nicht Unisex-Toiletten? Wenn schon in der Schlange stehen, dann doch mit allen."
Rebekka Endler, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Gegen diese Ungerechtigkeit kämpft die sogenannte Potty-Parity-Bewegung. Das Ziel: gleich viel öffentliche Toiletten für Männer und Frauen im öffentlichen Raum oder in Arbeitsgebäuden. 

Unisex-Toiletten mit Sitzklos vergrößern das Problem statt es zu beheben

Eine Idee dabei: Unisex-Toiletten – also: mehr Sitzmöglichkeiten für alle. Damit wäre auch das Problem für all diejenigen gleich noch mitgelöst, die sich weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zugehörig fühlen, meint Rebekka. Aber die Industriedesignerin Bettina Möllring ist davon nicht überzeugt.

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Denn Urinale seien das einzige, was tatsächlich im öffentlichen Raum funktioniere. Sitztoiletten seien ein fehlerhaftes Design – außerhalb privater Räume jedenfalls. Frauen vermeiden ohnehin den Kontakt mit den oft ekligen öffentlichen Klos.

Frauenurinale für mehr Geschlechtergerechtigkeit

Die Lösung also: Urinale auch für Frauen. Bettina Möllring, die selbst auch Frauenurinale designt hat, sagt, in Malaysia gibt es die standardmäßig. Und auch in Teilen der USA hat die industrielle Revolution dafür gesorgt, dass Frauenurinale für Arbeiterinnen Verbreitung gefunden haben.

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