Die britische Gesundheitsapp "GP at Hand" wollte den Arztbesuch überflüssig machen – und hat genau das Gegenteil bewirkt.

Digitale Medizin – vor allem Gesundheitsapps – sind gerade ein großes Thema. Insbesondere Software, die uns hilft, einen Arztbesuch einfacher und billiger zu machen, wird gerade gehypt. Auch die Gesundheitsapp "GP at hand" also "Arzt zur Hand" des britischen Anbieters Babylon Health wollte in diesem Zukunftsgeschäft mitmischen. "GP at hand" versprach den Briten, medizinischen Rat 24/7 und überall: 

  • Ein freundlicher Chatbot fragt euch nach euren Symptomen und Vorerkrankungen
  • Im Hintergrund analysiert dann eine KI, die mit Tausenden von Fällen gefüttert ist, eure Beschwerden und stellt eine Diagnose
  • Bei einfachen Beschwerden verordnet sie dir ein Hausrezept oder schickt dich in die Apotheke
  • Bei komplizierteren Krankheiten verbindet dich die App mit einem Arzt
"Die App von Babylon Health war eine Art leuchtender Stern am britischen Digital-Health-Himmel."
Martina Schulte, Deutschlandfunk Nova

"GP at Hand" wollte der erste von einer KI gesteuerte Gesundheitsservice der Welt sein, sagt unsere Netzreporterin Martina Schulte. Ihr Gründer Ali Parsa hatte noch Anfang diesen Jahres versprochen, dass seine App dank KI zehnmal so präzise sein kann wie ein Arzt.

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Breite Unterstützung für die App

In mehreren Finanzierungsrunden gelang es Ali Parsa, einige Millionen Pfund einzusammeln. Außerdem hat er eine Unterstützung vom National Health Service (NHS), dem britischen Gesundheitssystem, bekommen. In mehreren offiziellen Tests hatte die App bereits bestens abgeschnitten, berichtet das Techblog T3N

Die – grundsätzlich lobenswerten – Absichten der App-Macher:

  • Zahl der unnötigen Arztbesuche verringern
  • Für Patienten die Wartezeiten senken 
  • Ärzten mehr Zeit für die wichtigen Patienten geben

Doch leider ging diese Theorie gründlich daneben.

"Die App-Macher hatten vergessen, einen entscheidenden Faktor mitzudenken. Und zwar den Faktor Mensch."
Martina Schulte, Deutschlandfunk Nova

Die Macher der App mussten bei einem Test feststellen, dass die Patienten die App anders nutzen als eingeplant. 

Die Idee geht schief – wegen der Patienten

Die Patienten haben schnell kapiert, wie die App funktioniert – und haben sie dann einfach "gehackt": Sie "spielten" quasi mit dem Symptomchecker des Chatbots.

"Statt sich bei einem kleinen Leiden brav vom Chatbot in die Apotheke schicken zu lassen, übertrieben sie ihre Symptome, um möglichst schnell mit einem Arzt verbunden zu werden."
Martina Schulte, Deutschlandfunk Nova

Die Autoren des Testberichts der Clinical Commission Group in Nord-West-London urteilten, dass es „unwahrscheinlich sei, dass der Symptomchecker die Nachfrage nach Arztterminen senke“ – damit stellten sie eines der Kernziele der App infrage. Deswegen wurde die App auch erst mal nicht weiter getestet, schreibt T3N. 

Sollten die staatlichen Stellen des NHS diesen Test als Anlass nehmen, ihre Unterstützung des Projekts zu überdenken, könnte das zum Problem für "GP at Hand" werden.

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