Viele Unternehmen werben damit, zu jedem gekauften Produkt einen Baum zu pflanzen. Allerdings sind viele dieser Baumpflanzaktionen wirkungslos. Wann und wo Bäume pflanzen Sinn macht, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Anne Preger.

Egal, ob pro Klick, T-Shirt, Armband oder neugeworbener Freundinnen – viele Firmen werben damit, Bäume zu pflanzen. Und grundsätzlich gibt es viele gute Gründe, warum man das auch tun sollte. Bäume holen das Treibhausgas Kohlenstoffdioxid aus der Luft und können so helfen, die Erderwärmung einzudämmen. Bäume und Wälder stellen für viele Arten einen wertvollen Lebensraum dar und auch für Menschen, vor allem in Entwicklungsländern, sind sie wirtschaftlich wertvoll.

Damit diese positiven Effekte allerdings auch eintreten, ist es enorm wichtig, die richtigen Baumarten zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle zu pflanzen. Ein britisches Forschungsteam hat deshalb zehn goldene Regeln zum richtigen Bäumepflanzen erstellt.

Gescheiterte Baumpflanzaktionen

Wie es nicht geht, zeigen große Baumpflanzaktionen in Ländern wie Äthiopien, Indien oder der Türkei aus den letzten zwei Jahren. In wenigen Monaten sollten Milliarden von Bäumen sehr medienwirksam gepflanzt werden, sogar ein Weltrekord sollte damit aufgestellt werden. In der Türkei wurden beispielsweise im Herbst 2019 elf Millionen Baumsetzlinge eingepflanzt.

"Da sollten Weltrekorde aufgestellt werden, in wenigen Monaten sollten Milliarden von Bäumen gepflanzt werden. Fragt sich allerdings, ob die kleinen Baumsetzlinge danach mehr als ein paar Tage oder Wochen überlebt haben."
Anne Preger, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Drei Monate später meldeten sich laut der britischen Zeitung The Guardian türkische Gewerkschaftsvertreter aus Forst- und Landwirtschaft mit der Annahme, dass bis zu 90 Prozent der Setzlinge einfach vertrocknet seien. Sie seien zur falschen Zeit eingepflanzt worden und von Menschen, die nicht wüssten, wie man die Baumsetzlinge richtig in die Erde bringe.

Die goldenen Regeln der Wiederaufforstung

Deshalb lautet auch eine Regel der Forschenden: Am richtigen Ort die richtigen Bäume pflanzen. Beispielsweise sind in ehemaligen Waldböden oft noch nach Jahren Samen von Bäumen vorhanden, die dort einmal gewachsen sind und mit natürlicher Regeneration irgendwann doch noch keimen könnten. Diese Keime seien meist besser als Setzlinge aus einer Baumschule, denn die könnten von Arten stammen, die es in dem Land oder der Region natürlicherweise gar nicht gibt.

"Entscheidend dabei ist: Am richtigen Ort die richtigen Bäume pflanzen."
Anne Preger, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Zudem sei es sehr wichtig, bei Baumpflanzaktionen die Anwohner einer Region miteinzubinden. Einheimische sollten nicht nur den Sinn der Aktion verstehen, sondern im besten Fall von einem wachsenden Wald profitieren können, indem sie daraus Feuerholz sammeln, Honig ernten oder im Schatten der Bäume Feldfrüchte anbauen könnten.

Den Klimawandel mitdenken

In ihren Regeln weisen die Forschenden auch darauf hin, dass man den Klimawandel mitdenken sollte. Eine Baumart, die früher in einer bestimmten Region gut gewachsen ist, könnte beispielsweise bei den wärmeren Temperaturen der kommenden Jahrzehnte nicht mehr so gut wachsen.

"Nur, weil eine Baumart früher gut an einem Ort gewachsen ist, muss das bei wärmerem Klima in den kommenden Jahrzehnten nicht mehr so sein."
Anne Preger, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Man sollte deshalb auch über Setzlinge nachdenken, die je nach Standort mehr Hitze oder mehr Trockenheit vertragen.

Monokulturen vermeiden

Als eine weitere Regel empfehlen die Forschenden, Monokulturen zu vermeiden. Ein Beispiel aus Deutschland sind reine Fichtenwälder. Diese wurden in den letzten Jahren oft durch Borkenkäferinvasionen zerstört, da Baummonokulturen deutlich anfälliger gegenüber derartigem Befall sind als Mischwälder. Zudem werden Monokulturen nach einigen Jahrzehnten häufig wieder abgeholzt und als Feuerholz oder Holzpellets verbrannt – das führt wiederum zu mehr statt weniger Treibhausgasen in der Luft.

Wer sich an die zehn goldenen Regeln der Forschenden hält, kann seine Baumpflanzaktion zu einem Erfolg führen. Am besten ist es allerdings, Baumpflanzaktionen erst gar nicht starten zu müssen, indem man bestehende Wälder - vor allem Urwälder - schütze, sagen die Forschenden. Denn wieder aufgeforstete Wälder könnten erstmal kaum die Vorteile bieten, die alte, vielfältige Wälder sich über hunderte von Jahren aufgebaut haben.