Habt ihr das Gefühl, dass eure Gedanken seit dem zweiten Lockdown mit euch durchgehen? Damit seid ihr erstens nicht alleine und zweitens gibt es dafür eine neurowissenschaftliche Erklärung: Schuld ist das Grundeinstellungsnetzwerk in unserem Gehirn.

Manche kennen das vielleicht: Kaum liegen sie im Bett, geht Gedankenkarusell ab. Meist ist es ziemlich schwer, das wieder abzustellen. Seit Beginn der Coronavirus-Pandemie sind einige Menschen nicht nur abends, sondern teilweise über Wochen und Monate komplett alleine. Sie sind besonders anfällig dafür, dass sich das Gedankenkarusell auch schon tagsüber zu drehen beginnt. Um das zu verhindern, hilft nur eines: geschickte Ablenkung.

Wir grübeln, wenn wir nichts zu tun haben

Wenn wir einsam und für uns sind, gibt es bestimmte Regionen im Hirn, die dann besonders anspringen, unter anderem das sogenannte Grundeinstellungsnetzwerk. Das ist ein Verbund aus verschiedenen Hirnregionen, die man im hinteren, oberen Bereich des Gehirns findet und die in den letzten Jahren immer mehr Aufmerksamkeit durch Forschende erhalten haben, erklärt Neurowissenschaftler Henning Beck.

Der Name erklärt schon seine Funktion: Immer, wenn wir mal nichts zu tun haben, schalten wir sozusagen auf die Grundeinstellung, also auf das Tagträumen, Grübeln oder Gedanken Hin- und Herschieben.

"Das Grundeinstellungsnetzwerk ist immer dann aktiv, wenn man eigentlich nichts zu tun hat."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Es gibt sogar Studien, die aufzeigen, dass Menschen, die sehr viel Zeit alleine verbringen, ein ausgeprägteres Grundeinstellungsnetzwerk haben als andere Menschen.

Ablenkung, Ablenkung, Ablenkung

Die schlechte Nachricht: Wir können das Grundeinstellungsnetzwerk nicht abschalten. Die gute Nachricht ist: Wir können es ganz gezielt ablenken. Am besten geht das mit Tätigkeiten, die nur noch schwer Raum zu weiterem Grübeln zulassen:

  • Spiele spielen
  • Mit Freundinnen oder der Familie telefonieren
  • Sich selbst in unerwartete Situationen bringen oder etwas Neues ausprobieren

Monotone Tätigkeiten wie Radfahren oder auch einen Film schauen, bei dem wir ohne Probleme abschweifen können, sind dagegen eher nicht für eine Ablenkung geeignet.