Zu viel Nähe zu Haustieren kann sie umbringen. Denn durch die Nähe können wir Krankheiten übertragen, die für uns harmlos sind, bei Tieren aber zum Tod führen können, wie Herpes zum Beispiel.

Achim Gruber ist Tierpathologe. Er obduziert tote Tiere und findet deren Todesursachen heraus. Gerade hat er ein Buch darüber geschrieben: "Das Kuscheltierdrama – Ein Tierpathologe über das stille Leiden der Haustiere". Eine seiner Schlussfolgerungen: Wir rücken unseren Tieren manchmal so sehr auf die Pelle, dass wir sie umbringen. Herpes zum Beispiel kann bei Chinchillas oder bei Kaninchen schwere Gehirnhautentzündungen mit Todesfolge verursachen.

"Wenn Sie mit einem Lippenherpes ein Chinchilla oder Kaninchen küssen, dann ist das der Todeskuss für diese Tiere."
Achim Gruber, Tierpathologe

Aber auch das Kuscheln an sich können einige Tiere nicht so gut vertragen, wie wir uns das vielleicht wünschen. Zum Beispiel Fluchttiere, wie etwa Meerschweinchen: "Dann können die durchaus an diesem Stress sterben. Wir sehen Meerschweinchen, die haben bildlich gesprochen Nebennieren wie Apfelsinen, weil die einfach so wahnsinnig viele Stresshormone ausschütten", sagt Gruber. Das lässt sich jedoch vermeiden, wenn man die Tiere langsam ans Kuscheln gewöhnt und ihnen auch Pausen gönnt.

Wer sein Tier wirklich liebt, sollte sich also vielleicht vorher informieren, welche Eigenarten das Tier hat und wie bestimmte Signale zu deuten sind. Jana Hoger von der Tierschutzorganisation Peta sagt, das fängt schon beim Klassiker Schwanzwedeln beim Hund an. Schwanzwedeln bedeutet nicht gleich Freude: "Das Schwanzwedeln ist an sich ein Erregungszustand vom Hund. Das kann positiv oder negativ sein. Wenn man jetzt mal schaut: Ein Hund, der nach einer Maus gräbt oder im Boden intensiv schnüffelt, der wedelt ganz intensiv mit dem Schwanz. Das heißt aber nicht, dass er sich freut, weil da eine Maus ist, sondern das zeigt einfach nur den Erregungszustand vom Hund." Heißt: Der Hund kann auch mit dem Schwanz wedeln und keine Lust aufs Streicheln oder Toben haben.

Darauf sollten wir achten, wenn wir Haustiere halten:

  • Insgesamt sollten wir die Tiere nicht zu sehr vermenschlichen oder erwarten, dass das Tier eine Partnerin oder einen Freund ersetzt. 
  • Kuscheln immer in Maßen. Und immer erst, wenn man das Tier schon länger hat. 
  • Abknutschen vielleicht einfach lassen.

Hormoncreme der Halterin hatte Auswirkungen auf den Hund

Außerdem sollten wir im Kopf behalten, dass auch Medikamente ungewollte Wirkungen auf Haustiere haben können. Achim Gruber hat so einen Fall in seiner Praxis erlebt: Eine Halterin brachte ihren Hund vorbei. Das Tier hatte keine Haare mehr und sehr kleine Hoden. Im Gespräch mit der Halterin stellte sich heraus, dass sie Medikamente gegen ihre Wechseljahresbeschwerden nahm. 

"Um ihre Beschwerden zu lindern, hat sie sich jeden Abend mit Östrogencreme eingeschmiert", so Achim Gruber, "der Hund hat immer neben dem Frauchen im Bett geschlafen, denn die kuschelten abends." Der Arzt konnte dann ziemlich schnell feststellen, dass der Hund eine Östrogenvergiftung hatte. Durch die Hormone waren ihm die Haare ausgefallen und die Hoden geschrumpft – er ist durch die Hormoncreme der Besitzerin also quasi zum Eunuchen geworden.

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